
Mari Froes braucht keine große Show. Keine lauten Gitarren, keine spektakulären Effekte und kein aufwendiges Bühnenbild. Was sie mit nach Jena brachte, war viel wertvoller: eine außergewöhnliche Stimme, wunderbare Musiker und Lieder, die sich anfühlten wie ein warmer Sommerabend. Mal verträumt, mal verspielt, mal voller Sehnsucht – aber immer mit einer Leichtigkeit, die den gesamten Theatervorplatz umhüllte.

Schon mit den ersten Tönen war zu spüren, dass dieser Abend anders werden würde. Die Hektik des Tages blieb vor den Toren der Kulturarena zurück und machte Platz für fast zwei Stunden voller Ruhe, Wärme und musikalischer Schönheit. Mari Froes schaffte es vom ersten Moment an, das Publikum mitzunehmen – nicht mit großen Worten, sondern mit ihrer Musik. Es fühlte sich an, als würde jeder Song den Abend ein kleines Stück leichter machen.

Mit „Como Ouro“ eröffnete die brasilianische Singer-Songwriterin ihr Konzert und zog die Besucherinnen und Besucher sofort in ihre ganz eigene Welt. Ihre warme Stimme legte sich sanft über den Platz, während die Band jede Melodie mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit trug. Nichts wirkte aufgesetzt oder inszeniert. Jeder Ton hatte seinen Platz, jede Pause ihre Bedeutung.



Es dauerte nicht lange, bis sich der Zauber dieses Abends auf das Publikum übertrug. Gespräche verstummten, viele schlossen die Augen oder ließen sich einfach von der Musik treiben. Obwohl Mari Froes überwiegend auf Portugiesisch singt, spielte die Sprache kaum eine Rolle. Ihre Lieder erzählten Geschichten, die man nicht übersetzen musste. Sie sprachen direkt das Herz an.
Mit „Rosa Laranja“, „Moça“, „Fogueira“ und „Colombina“ entfaltete sich die ganze Wärme ihrer Musik. Die feinen brasilianischen Rhythmen verbanden sich mit Folk-Elementen und modernen Singer-Songwriter-Klängen zu einem Sound, der gleichzeitig vertraut und neu wirkte. Man hatte nicht das Gefühl, einem Konzert beizuwohnen – vielmehr schien Mari Froes ihr Publikum mit jedem Lied ein Stück weiter mit nach Brasilien zu nehmen.



Gerade darin lag die besondere Stärke dieses Abends. Es gab keine lauten Höhepunkte, keine spektakulären Momente, die Aufmerksamkeit erzwingen wollten. Stattdessen entstand etwas viel Wertvolleres: eine Atmosphäre, in der man einfach loslassen konnte. Für einen Augenblick schien die Welt draußen ein wenig langsamer zu werden.
Mit „Espelho“ erreichte das Konzert einen seiner emotionalsten Momente. Die Musik wurde noch zarter, die Stimme noch eindringlicher. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Es war beeindruckend zu erleben, wie still mehrere hundert Menschen gleichzeitig werden können, ohne dass diese Stille jemals leer wirkte. Sie war voller Aufmerksamkeit, voller Respekt und voller Dankbarkeit für diesen besonderen Augenblick.
Auch „19 Verões“, „Reza Braba“ und „Rio-Lua“ zeigten eindrucksvoll, wie facettenreich Mari Froes‘ Musik ist. Mal schwebte sie beinahe schwerelos durch die Arena, dann wieder brachten rhythmische Passagen die Köpfe und Füße des Publikums sanft in Bewegung. Alles wirkte leichtfüßig, unaufgeregt und vollkommen selbstverständlich.




Mit „Coco Caramelo“ und „Tempo de Amor“ nahm die Reise noch einmal an Wärme auf. Es waren Lieder, die sich anfühlten wie eine sanfte Sommerbrise. Niemand hatte es eilig. Niemand wollte, dass dieser Abend schon zu Ende geht.
Als „Gabriel“ erklang und anschließend „Figa De Guiné und Vatimbora“ den regulären Konzertteil beschloss, war längst spürbar, wie sehr Mari Froes das Publikum berührt hatte. Der lang anhaltende Applaus sprach für sich.
Mit „Petit Pays“ kehrte sie schließlich noch einmal für eine Zugabe auf die Bühne zurück. Es war ein leiser, wunderschöner Abschluss, der perfekt zu diesem Konzert passte. Kein großes Finale, sondern ein letzter musikalischer Gruß, der noch lange nachhallte.




Was die Kulturarena dabei Jahr für Jahr so besonders macht, zeigte sich auch an diesem Abend wieder abseits der Bühne. Bereits der Einlass verlief entspannt und herzlich, überall begegnete man freundlichen Gesichtern. Die Gastronomie, die vielen Helferinnen und Helfer sowie das gesamte Organisationsteam sorgten dafür, dass sich das Publikum vom ersten Moment an willkommen fühlte.
Besonders hervorzuheben ist auch das Technikteam. Gerade bei einer Künstlerin wie Mari Froes, deren Musik von feinen Nuancen lebt, sind ein ausgewogener Sound und eine stimmungsvolle Lichtgestaltung entscheidend. Beides gelang an diesem Abend auf beeindruckende Weise. Jeder Ton war klar zu hören, jede Lichtstimmung unterstrich die Musik, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen. Oft arbeiten diese Menschen im Hintergrund – und gerade deshalb verdienen sie einmal ein großes Dankeschön.
Die Kulturarena zeigt damit einmal mehr, warum sie weit mehr ist als eine Konzertreihe. Sie schafft Begegnungen. Zwischen Künstlerinnen und Künstlern, Publikum und Musik. Zwischen Menschen, die für ein paar Stunden gemeinsam den Alltag vergessen.





Der Kultursommer geht weiter
Nach diesem wunderschönen Abend stehen in den kommenden Wochen weitere musikalische Höhepunkte auf dem Programm der Kulturarena.
Bereits am 30. Juli gastiert Charles Pasi auf dem Theatervorplatz. Am 31. Juli folgt mit Max Herre & Joy Denalane eines der wohl meist erwarteten Konzerte dieses Kultursommers, bevor Nils Landgren & die Jenaer Philharmonie am 1. August Jazz und Klassik miteinander verbinden.
Weiter geht es mit Ukulele Death Squad (6. August), Bosse (7. August), Mine (8. August), Von Wegen Lisbeth (13. August), Nouvelle Vague (14. August), Sportfreunde Stiller (15. August), Šuma Čovjek (19. August), Agnes Obel (20. August), Kruder & Dorfmeister (22. August) und Luiku, die das Festival am 23. August musikalisch beschließen.
Auch wir vom Radioactive Magazine begleiten die Kulturarena weiterhin durch diesen besonderen Festivalsommer und berichten von den schönsten Konzertabenden auf dem Theatervorplatz.
Mari Froes hat an diesem Abend gezeigt, dass die schönsten Konzerte nicht immer die lautesten sind. Manchmal reicht eine außergewöhnliche Stimme, wunderbare Musiker und Lieder voller Gefühl, um einen Sommerabend unvergesslich zu machen. Die Musik schien über den Platz zu schweben – leicht, verträumt und federleicht. Und genau dieses Gefühl nimmt man mit nach Hause.
Nik West bringt die Kulturarena zum Beben
Tanita Tikaram in der Kulturarena Jena




