Es gibt diese Abende, an denen man schon beim Betreten der Kulturarena spürt, dass etwas Besonderes in der Luft liegt. Kein großes Spektakel, keine riesige Show – sondern dieses leise Kribbeln, das nur Konzerte auslösen können, bei denen die Musik im Mittelpunkt steht. Genau so fühlte sich der 22. Juli 2026 an.

Die Kulturarena Jena war mit 1.600 Besucherinnen und Besuchern restlos ausverkauft. Reihenweise füllten sich die Plätze, überall wurde noch angeregt gesprochen, gelacht und die Vorfreude geteilt. Kaum jemand ahnte, dass dieser Abend viele mit einem Lächeln – und nicht wenige auch mit Tränen in den Augen – nach Hause schicken würde.
Als Tanita Tikaram gemeinsam mit ihrer Band die Bühne betrat und „World Outside Your Window“ anstimmte, legte sich augenblicklich eine angenehme Ruhe über die Arena. Ihre warme, unverwechselbare Stimme füllte den Platz mühelos und zog das Publikum vom ersten Moment an in ihren Bann. Mit „I Don’t Wanna Lose at Love“ knüpfte sie nahtlos daran an und zeigte, wie zeitlos ihre Musik bis heute geblieben ist.

Was ich an diesem Abend besonders mochte, war ihre unaufgeregte Art. Tanita Tikaram musste niemandem etwas beweisen. Zwischen den Liedern sprach sie mit einem sympathischen Lächeln zum Publikum, erzählte kleine Anekdoten und ließ ihren Songs den Raum, den sie verdienen. Alles wirkte ehrlich, entspannt und unglaublich nahbar.
Mit „Glass Love Train“ und „This Perfect Friend“ wurde deutlich, wie vielseitig ihr musikalisches Schaffen ist. Ihre Band spielte mit beeindruckender Präzision, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen. Jeder Ton saß, jede Melodie hatte ihren Platz.



Als „Cathedral Song“ erklang, schien die Zeit für einen Moment stillzustehen. Die Kulturarena war so ruhig, dass man fast den eigenen Atem hören konnte. Solche Momente lassen sich kaum beschreiben – man muss sie erleben. Sie entstehen nicht oft, aber wenn sie da sind, vergisst man sie nie.
Mit „Cool Waters“ und „Dust on My Shoes“ führte Tanita Tikaram das Publikum weiter durch ihr musikalisches Repertoire, bevor „Good Tradition“ die Stimmung spürbar auflockerte. Überall wurde mitgewippt, viele lächelten sich an und man merkte, wie sehr ihre Songs die Menschen bis heute begleiten.



Auch „Only the Ones We Love“ berührte auf besondere Weise. Es folgte die wunderschöne Interpretation von „Love Isn’t a Right“, einem Song von Molly Drake, den Tanita mit großer Feinfühligkeit präsentierte. Mit „I Think of You (E penso a te)“, einer Hommage an Lucio Battisti, nahm sie das Publikum anschließend mit auf eine musikalische Reise nach Italien. Spätestens hier wurde deutlich, wie mühelos sie unterschiedliche Klangwelten miteinander verbindet.
Die zweite Hälfte des Konzerts wurde noch intensiver. „Fais Moi La Solitude“, „Turn the Lights Down Low“ und „Lover Don’t Come Around“ schufen eine fast intime Atmosphäre. Viele lehnten sich zurück, schlossen die Augen und ließen sich einfach von der Musik tragen. Niemand hatte es eilig. Für zwei Stunden schien der Alltag weit entfernt.


Und dann kam dieser eine Moment.
Schon die ersten Akkorde von „Twist in My Sobriety“ lösten in der Kulturarena eine Welle der Emotionen aus. Fast jeder sang mit. Manche ganz leise, andere voller Überzeugung. Rund um mich herum wurden Tränen weggewischt, Menschen nahmen ihre Handys in die Hand um den Moment für die Ewigkeit festzuhalten oder hielten einfach die Hand ihres Gegenübers fest. Es waren keine Tränen der Traurigkeit – sondern Tränen des Glücks. Erinnerungen wurden wach, gemeinsame Erlebnisse kamen zurück und für einen Augenblick schien die Zeit stillzustehen. Es ist beeindruckend, wie ein Song nach all den Jahren noch immer so viele Herzen erreichen kann.
Mit „Sweet Feather & the Storm“ und „I See a Morning“ verabschiedete sich Tanita Tikaram zunächst von der Bühne. Doch natürlich wollte sie niemand gehen lassen. Der minutenlange Applaus sprach für sich und holte die Band schnell zurück.



Die Zugabe begann mit ihrer wunderbaren Interpretation von Sam Cookes „Bring It On Home to Me“, bevor der Abend noch einmal eine völlig andere Richtung einschlug.
Als die ersten Töne von „Love Is in the Air“ erklangen, war endgültig Schluss mit dem Sitzkonzert. Fast niemand blieb noch auf seinem Platz. Überall standen Menschen auf, klatschten, tanzten zwischen den Reihen und sangen den Refrain voller Freude mit. Fremde lächelten sich an, Arme gingen in die Höhe und plötzlich spielte es keine Rolle mehr, wer neben wem saß. Die gesamte Kulturarena feierte gemeinsam diesen wunderbaren Sommerabend.
Genau solche Momente sind es, die die Kulturarena Jena jedes Jahr aufs Neue so besonders machen. Abend für Abend entstehen Konzerterlebnisse, die sich nicht planen lassen. Sie passieren einfach – und bleiben.
Tanita Tikaram hat an diesem Abend keine große Show gebraucht. Sie brauchte keine lauten Effekte und kein Feuerwerk. Ihre außergewöhnliche Stimme, ihre großartigen Musiker und Lieder, die Menschen seit Jahrzehnten begleiten, waren mehr als genug.
Als ich die Kulturarena verließ, summten viele Besucher noch immer Melodien vor sich hin. Andere unterhielten sich über ihre Lieblingslieder oder schwiegen einfach mit einem glücklichen Lächeln. Genau das ist die Magie solcher Abende: Die Musik endet nicht mit dem letzten Ton. Sie begleitet einen noch auf dem Heimweg, klingt im Kopf weiter und bleibt manchmal sogar für immer im Herzen.
Und genau deshalb war dieses Konzert für mich weit mehr als ein weiterer Sommerabend in der Kulturarena. Es war ein Abend voller Wärme, Erinnerungen und ehrlicher Musik – einer dieser seltenen Momente, die uns daran erinnern, warum Livekonzerte so viel mehr sind als nur gespielte Songs. Sie schenken uns Gefühle, die man nicht kaufen kann. Und genau davon gab es an diesem Abend mehr als genug.












Dominique Fils-Aimé in der Kulturarena Jena
Kulturarena Jena 2026: Die Konzerte, über die ihr im Sommer sprechen werdet




