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Paris Paloma - The Fatal Flaw
Paris Paloma - The Fatal Flaw
Paris Paloma - The Fatal Flaw

Paris Paloma mit „The Fatal Flaw“ im Soundcheck

„The Fatal Flaw“ ist ein spektakuläres Meisterwerk

Paris Paloma mit „The Fatal Flaw“ im Soundcheck

Am 4. September erscheint das neue Album „The Fatal Flaw“ von Paris Paloma via Plum Tree Music (Nettwerk Music Group). Wir durften vor dem Release schon einmal reinhören.

Paris Paloma Pressebild
Paris Paloma Pressebild © Phoebe Fox

Spätestens seit ihrem viralen Hit „labour“ ist Paris Paloma für mich eine der spannendsten Stimmen der aktuellen Popmusik. „The Fatal Flaw“ geht aber noch deutlich weiter. Es ist kein Album, das sich auf eine einzelne Botschaft reduzieren lässt. Es geht um Weiblichkeit, Liebe als gesellschaftliches Konstrukt, um Körperbilder und patriarchale Strukturen, um politische Wut und die Frage, was es eigentlich bedeutet, als Mensch Kunst zu erschaffen.

Insgesamt sind auf dem Werk 12 Songs zu hören, wovon 6 bereits als Single veröffentlicht wurden.

Trackübersicht: The Fatal Flaw

1. Miyazaki

Ich habe etwas zu sagen. Genau mit diesen Worten beginnt der erste Song des Albums und es könnte kein treffenderer Satz sein.

Miyazaki“ ist ein Einstieg, der sofort klarmacht, wohin die Reise geht. Der nach Hayao Miyazaki (Mitbegründer des Studio Ghibli) benannte Song baut sich langsam auf und entwickelt eine fast magische Atmosphäre. Paris Palomas Gesang trägt dabei eine Botschaft, die gerade jetzt kaum wichtiger sein könnte: Kunst entsteht durch Menschen und durch die Erfahrungen, die sie durchmachen.

Was mich besonders beeindruckt, ist, wie treffend die Künstlerin die Höhen und Tiefen des kreativen Schaffens beschreibt. Sie stellt klar, dass es ohne die schwierigen Phasen einfach nicht geht. Man muss durch diese Tiefen hindurch, weil genau dort etwas entstehen kann. Und das kann keine Maschine nachahmen.

In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz immer stärker in kreative Bereiche vordringt, fühlt sich „Miyazaki“ deshalb fast wie ein Manifest für menschliche Kunst an. Und trotzdem klingt der Song nie belehrend. Er ist stark und voller Hoffnung.

2. Rothko

Nach diesem großen Auftakt wird es auf „Rothko“ zunächst ganz sanft. Paris Palomas Stimme steht im Mittelpunkt und zeigt eine verletzliche Seite, die auf dem ganzen Album immer wieder eine wichtige Rolle spielt.

Mit der Zeit kommen Streicher hinzu und lassen den Song langsam wachsen. Gegen Ende erreicht er seinen Höhepunkt, ohne dass dabei die Intimität verloren geht.

3. Stem the Flow

Stem the Flow“ fühlt sich für mich wie ein Geständnis an. Es geht um das Scheitern einer Liebe, bei der man irgendwann erkennen muss, dass sie einem eigentlich nie wirklich gutgetan hat.

Besonders schmerzhaft ist dabei die Erkenntnis, dass die andere Person nie das Potenzial ergriffen hat, das man selbst in ihr gesehen hat. Aus Enttäuschung wird Wut und diese äußert sich hier in einer Art Sprechgesang.

Der Track bewegt sich irgendwo zwischen Vergebung und Loslassen. Man hört einer Person dabei zu, wie sie versucht, mit etwas abzuschließen, das sie lange festgehalten hat.

4. Bleeding Part of Me

Bleeding Part of Me“ handelt von den Wunden, die lange nach dem Schmerz noch da sind. Paris Paloma erkennt an, dass man manche Erfahrungen nicht einfach abschütteln kann.

There is no world in which we both make it out of here“ ist dabei einer dieser Sätze, die sofort hängen bleiben.

Gegen Ende bekommt der Song eine fast beschwörende Qualität. Die Bridge klingt für mich wie ein Zauberspruch, gesungen von einem Hexenzirkel. Es ist ein Moment, der den Song noch einmal auf eine andere Ebene hebt.

5. get her the fucking flowers

Schon die Schreibweise fällt hier auf. „get her the fucking flowers“ ist der einzige Titel auf dem Album, der komplett ohne Großbuchstaben auskommt.

Und auch musikalisch fühlt er sich anders an. Es klingt wie ein Song, den man schreiben würde, nachdem die Wut den eigenen Körper verlassen hat und Platz für Traurigkeit macht. Man hat keine Kraft mehr zu schreien.

Im Zentrum steht eine sehr einfache Sehnsucht: geliebt zu werden und jemanden an seiner Seite zu haben, der sich um einen kümmert. Gerade weil der Song nicht laut werden muss, trifft er mich besonders.

6. Pre-Raphaelite

Mit „Pre-Raphaelite“ ist die Kraft wieder da. Paris Paloma zeigt hier ihren gesamten Stimmumfang und lässt den Song von einem leisen Start immer größer werden.

Die Entwicklung funktioniert dabei genau so, wie ich es auf diesem Album inzwischen erwarte: Erst wird Raum geschaffen, dann kommen immer mehr Ebenen hinzu, bis die Stimme schließlich alles ausfüllt.

7. Good Girl

Good Girl“ beginnt zunächst fast wie ein Gedicht. Im Mittelpunkt steht die Sehnsucht nach Unbeschwertheit und nach einer Kindheit, in der man noch nicht gelernt hat, sich selbst durch die Augen patriarchaler Schönheitsideale zu betrachten.

Dann setzt nach ungefähr einer Minute Paris Palomas Gesang ein. Plötzlich ist da ein Beat, der fast schon nach Club klingt. Die Musik wirkt tanzbar, während der Text eine ganz andere Stimmung auslöst. Die Botschaft ist unmissverständlich: Paris Paloma lässt sich nicht in eine Rolle pressen und das macht sie in den Lyrics deutlich:

If you call me good girl one more time, then I will break your nose.

Ihr Gesang wird dabei mehrfach übereinandergelegt und klingt dadurch wie ein Chor, der immer weiter anwächst. Aus der anfänglichen Sehnsucht wird Widerstand.

8. Pyrrhus (you go where I cannot)

Müsste ich mich entscheiden, wäre „Pyrrhus (you go where I cannot)“ wohl mein Lieblingssong auf „The Fatal Flaw“.

Der Track beginnt mit sanften Gitarren und einer ebenso zarten Stimme. Nach und nach kommen weitere Instrumente und Stimmen hinzu, bis daraus ein beinahe orchestrales Stück wird.

Der Name Pyrrhus verweist auf den antiken König von Epirus, dessen Name vor allem mit dem sogenannten Pyrrhussieg verbunden ist. Paris Paloma scheint diese Figur hier auf mächtige Männer zu übertragen, die andere in Kriege schicken und selbst mit den Folgen leben müssen.

Do you hear the screams, Pyrrhus?

Did it bring you pride?

I miss the child you were.

Gerade diese letzte Zeile verändert für mich den gesamten Song. Hinter der Kritik an Macht und Gewalt steht plötzlich Trauer. Es geht nicht nur um den Mann, der Macht ausübt, sondern auch um den Jungen, der er einmal war.

Musikalisch ist das einer der Momente, in denen „The Fatal Flaw“ für mich seine ganze Größe entfaltet.

9. Silhouette on the Hill

Direkt danach klingt „Silhouette on the Hill“ fast wie eine Kampfansage. Der Beat ist deutlich präsenter und macht den Song irgendwie beklemmender. Dabei klingt er gleichzeitig wie eine Warnung und wie ein Versprechen.

10. Good Boy

I knew one day I’d have to watch powerful men burn the world down. I just didn’t expect them to be such losers.

Viel klarer kann eine politische Ansage eigentlich nicht beginnen.

Good Boy“ ist der Moment auf „The Fatal Flaw“, in dem Paris Palomas Wut besonders direkt auf die aktuelle politische Weltlage trifft. Der Song baut sich immer weiter auf und explodiert schließlich in einem Höhepunkt, in dem ihre Stimme immer dringlicher wird. Im Hintergrund setzt ein Männerchor ein, an einer Stelle sind sogar bellende Hunde zu hören, was im Kontext auch Sinn ergibt.

Die Floskel „Good Boy“ bekommt dabei eine bissige Doppeldeutigkeit. Es ist die Art von Lob, die man einem Hund gibt, wenn er etwas richtig gemacht hat. Bei Paris Paloma wird daraus blanker Hohn gegenüber Männern, die nach Macht streben und sich dabei von ihren fragilen Egos leiten lassen.

Die Hunde, so die Botschaft, lernen offenbar schneller als diese Männer.

11. Beautiful Birds

Nach der Intensität von „Good Boy“ fühlt sich „Beautiful Birds“ wie ein tiefes Aufatmen an.

Der Song erinnert mich musikalisch an eine Ballade mit 2000er-Charakter und nimmt bewusst etwas Tempo aus dem Album. Trotzdem bleibt der Text tiefgründig. Für mich ist der Track genau deshalb so wichtig für die Dramaturgie von „The Fatal Flaw“. Nach all der Wut darf es hier musikalisch wieder leichter werden.

12. I Cry in Front of Paintings

Nach einem Album, das musikalisch so viel aufbaut, könnte man sich fragen, wie man all das überhaupt zu einem passenden Ende bringen soll. Paris Paloma schafft es aber.

I Cry in Front of Paintings“ klingt himmlisch und unglaublich emotional. Der Song fühlt sich für mich an wie der Moment, in dem man nach einem langen Fußmarsch endlich in ein weiches Bett fällt. Alles tut weh, aber man ist angekommen.

Ein passenderer Abschluss für „The Fatal Flaw“ ist kaum vorstellbar.

Fazit: „The Fatal Flaw“ von Paris Paloma

Review Signal

Spektakuläres Meisterwerk

Soundcheck
Miyazaki 10
Rothko 9.5
Stem the Flow 10
Bleeding Part of Me 9.5
get her the fucking flowers 9
Pre-Raphaelite 10
Good Girl 9.5
Pyrrhus (you go where I cannot) 10
Silhouette on the Hill 8
Good Boy 10
Beautiful Birds 9
I Cry in Front of Paintings 10
Final Review

Dieses Jahr sind bereits sehr viele starke Alben erschienen. Trotzdem gehört „The Fatal Flaw“ für mich ganz klar zu meinen absoluten Favoriten. Vielleicht ist es sogar das beste Album, das ich in diesem Jahr gehört habe.

9.5
Spektakuläres Meisterwerk

Paris Paloma live in Deutschland: Im Dezember 2026 ist Paris Paloma auf eigener Tour und spielt am 3. Dezember im Backstage Werk in München, am 6. Dezember im Zoom in Frankfurt und am 8. Dezember im Astra Kulturhaus in Berlin.

FOTOGRAFIN // EDITOR

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Miyazaki
Rothko
Stem the Flow
Bleeding Part of Me
get her the fucking flowers
Pre-Raphaelite
Good Girl
Pyrrhus (you go where I cannot)
Silhouette on the Hill
Good Boy
Beautiful Birds
I Cry in Front of Paintings
Finale Bewertung

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