The Vaccines bringen Berlin zum Tanzen
The Vaccines sind aktuell unterwegs auf „What Did You Expect From The Vaccines“-Jubiläumstour durch Europa. Gefeiert wird ihr Debütalbum, mit dem sie vor 15 Jahren ihren musikalischen Durchbruch hatten. Am 17. April waren sie zu Gast im Huxley‘s, ihre bisher größte Venue in Berlin, und wir durften dabei sein!

The Vaccines ist eine Band, die den Soundtrack meiner Jugend geliefert, und das Portal zum Indie-Genre für mich geöffnet hat. Ich hatte das große Glück, sie vor ein paar Jahren schon einmal in Prag live sehen zu dürfen. Damals hat mich das Konzert total umgehauen, weil diese Band live wirklich ein Phänomen ist und für großartige Stimmung im Raum sorgt. Ich erinnere mich noch daran, dass der Boden so doll gebebt hat, dass ich kaum noch das Gleichgewicht behalten konnte! Meine Erwartungen waren dementsprechend hoch. Konnte die Show in Berlin da mithalten?
GANS liefern starken Auftakt
Los ging es am Freitag erstmal mit der Vorband: GANS. Hierbei handelt es sich um eine Post-Punk-Band aus dem Vereinigten Königreich, deren Debütalbum „GOOD FOR THE SOUL“ (sie mögen die FESTSTELLTASTE) letztes Jahr erschienen ist. Ich hatte im Vorfeld etwas in ihren Katalog reingehört, aber die Live-Darbietung war schon spannend. Die Gesangs-Parts teilten sich Euan Woodman und Thomas Rhodes. Letzterer ist gleichzeitig Drummer der Band. Unterstützt wurden sie von Tommy Lawther, der die Gruppe mit Saxofon und Flöte (ja, wirklich!) bereichert.
Zunächst war das Publikum etwas verhalten, aber dann äußerte sich der Drummer zu Wort und wünschte sich von der Menge einen Moshpit. Gesagt, getan…in der Mitte tat sich ein großer Kreis auf und die Fans warteten auf den Moment, wenn es losgehen sollte. Natürlich war das hier kein Vergleich zu Hardcore- oder Metalshows, aber eine Indie-Crowd überhaupt zum moshen zu bekommen, ist ja auch schon mal eine Leistung!

Vorhang auf für The Vaccines
Um 21 Uhr gingen die Lichter aus und der Jubel nahm zu, während The Vaccines auf die Bühne kamen. Das Set war unterteilt in zwei Bereiche. Zunächst wurde das erste Album „What Did You Expect from the Vaccines?“ in Gänze performt. Das dauerte aber gar nicht lang, denn die meisten der frühen Titel haben nur um die zwei Minuten Spieldauer. Danach folgte also noch ein Mix aus dem übrigen Repertoire. Das waren Songs, die zwischen ihrem Durchbruch 2011 und jetzt entstanden sind.
Eine Reise in die Vergangenheit
Mit „Blow It Up“ starteten sie in den Abend, ein softer Anfang, bevor es dann direkt in schnellere Publikumslieblinge „Wreckin‘ Bar (Ra Ra Ra)“ und „Post Break-Up Sex“ überging. Die Menge war begeistert! Mein persönlicher Lieblingstrack vom ersten Album ist „All in White“ und auch der zündete live, weil er sich so schön aufbaut, bevor sich sich in mehreren Schichten entfaltet.
Spätestens während „Nørgaard“ waren dann alle Hände in der Luft. Als einer der bekanntesten Songs der Band wurde er für diese Tour seit langem wieder in die Setlist aufgenommen, aber man muss auch sagen, dass die Lyrics im heutigen Kontext etwas problematisch sind. Kurzform: Es geht darum, ein 17-jähriges Model zu daten. Als der Song entstanden ist, war Sänger Justin Young selbst noch jung. Heute sind The Vaccines aber natürlich älter und da hat der Text schon einen komischen Beigeschmack. Die Band hat sich dazu in der Vergangenheit schon dazu geäußert, z.B. hier.

Nachdem das Debütalbum durch war, folgte eine Reise querbeet durch die übrige Bandhistorie. Selbst im Encore gab es dann noch Highlights, darunter eine emotionale Akustik-Performance von „No Hope“ und ein neuer, unveröffentlichter Titel. Mit „All My Friends Are Falling in Love“ verabschiedeten sich die Briten dann schließlich und ließen eine verschwitzte, glückliche Halle zurück.
Mein Fazit:
Für mich war das ein wirklich sehr gelungenes Konzert im (nicht ganz ausverkauften) Huxley‘s, das mich sowohl vom Klang, als auch von der Stimmung her total abgeholt hat. Ich stand für den Großteil der Show fast ganz hinten und sogar da wurde ausgiebig getanzt und mitgesungen. Ich muss hier wirklich betonen, dass Justin Young der geborene Frontmann ist. Er weiß ganz genau, wie er die Fans zum Mitmachen animiert und selbst einen ruhigen Saal zum ausrasten bringt. Die anderen Mitglieder Árni Árnason, Timothy Lanham, Yoann Intonti und Matt Hitt blieben dabei eher im Hintergrund, aber harmonierten klanglich hervorragend.
Wenn ich mir eines noch gewünscht hätte, dann, dass sie die B-Sides von „What Did You Expect from the Vaccines?“ mit gespielt hätten. Ansonsten war das wirklich große Klasse!




