“Wenn es brennt, passen wir auf uns auf!

Mit diesen Worten beendet die Leipziger Punkband mit Bläsern 100 Kilo Herz ihr zweites Album Stadt Land Flucht. Zwischen klaren linkspolitischen Statements gibt es dieses Mal auch persönliche Themen, alles verpackt in dem bekannten Sound aus knackigem Punkrock und Ohrwurmmelodien von Saxophon und Trompete. Aufgenommen und bearbeitet wurde das Album im Winter 2019/2020 in einer Zeit, in der rechter Terror in vielen Teilen Deutschlands und das Versagen demokratischer Parteien in Thüringen den Themen auf Stadt Land Flucht einen sehr bitteren und brandaktuellen Hintergrund bieten.

Der Opener Drei Jahre ausgebrannt, welcher gleichzeitig als erste Single (digital, 15.05.20) fungiert, ist wohl als lupenreines Punkrock- und 100-Kilo-Herz-Stück zu bezeichnen. Kritik an der Gesellschaft und deren klassischen Alltagsrassismen und -sexismen, die immer wieder als Scherze oder Missverständnisse entschuldigt werden.

Direkt mit dem zweiten Song Tresenfrist geht es in weniger ‘klassische’ Gefilde. Hier wird ein kritischer Blick auf übermäßigen Alkoholkonsum geworfen, eine Problematik, die vor allem in der Punkszene sehr selten angesprochen wird (und vielleicht gerade deshalb wichtig ist).

Dieser Wechsel zwischen bekannten, aber neu gedachten und nicht so offensichtlichen Themen zieht sich durch das gesamte Album. Zwischen kritischen Blicken auf die gesamte und kleine Gesellschaft(en) (Drei vor fünf vor zwölf, …und aus den Boxen …But Alive) und Beobachtungen von zwischenmenschlichen Beziehungen (An Ampeln, Der Späti an der Klinik) gibt es musikalisch und textlich gänzlich neue Haltepunkte in den Themen, die die Band hier anspricht. Hier ist vor allem Sowas wie ein Testament zu erwähnen. Musikalisch das wohl eingängigste Stück, wird im Kontrast dazu im Text eine Beerdigung geschildert. Auch Träume (Reprise) stellt als erste Ballade mit ebenfalls balladenuntypischem Liedtext eine Neuerung dar.

In die Dörfer zurück geht es in Nur für eine Nacht.

Hierzu sagt Rodi, der Sänger der Band: “obwohl es im Refrain heißt” und so treiben wir von Stadt zu Stadt” geht es dort vor allem um die Dörfer. Wir sind selbst dort aufgewachsen und kennen das Gefühl, für einen Abend viel Kraft durch Musik zu bekommen und danach wieder in den Alltag zurück zu müssen und die alten Kämpfe, auch gegen die heimischen faschistischen Strukturen, schlagen zu müssen. Jetzt standen und stehen wir selbst oft auf den Bühnen, die wir teilweise von früher kennen. Manchmal bekommen wir gesagt, dass wir den Menschen helfen. Aber es bleibt auch immer das Gefühl, sie mit dem Wegfahren wieder alleine zu lassen.”

 

Aus all diesen verschiedenen Songs hat es die Band geschafft, eine in sich schlüssige Platte aufzunehmen, die nur logisch in dem Finale aus Scheren fressen und Wenn es brennt mündet. Beide bieten nochmal ein volles musikalisches und politisches Brett. Ersteres wird dabei unterstützt von Planlos-Sänger Pino und ist eine Abrechnung mit AfD und Pegida, Wenn es brennt als Abschluss der Platte bietet einen dystopischen Blick auf einen totalitären Staat und die beängstigenden Folgen davon.

 

Das Album “Stadt Land Flucht” erscheint am 07.August 2020 auf Bakraufarfita Records. Die Platte ist ab sofort vorbestellbar auf: https://coretexrecords.com/100-KILO-HERZ

Quelle: Pressetext

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