Skunk Anansie im Alten Schlachthof Dresden – Ein Abend zwischen Wut, Wärme und Gänsehaut

Manchmal sind es gerade die Konzerte, die unter anderen Vorzeichen stattfinden als ursprünglich geplant, die am Ende die größten Erinnerungen hinterlassen.
Eigentlich sollten Skunk Anansie gestern in der Jungen Garde spielen. Stattdessen wurde die Show in den Alten Schlachthof verlegt. Auf dem Papier vielleicht ein Rückschritt – in der Realität jedoch ein Glücksfall. Der kleinere Rahmen sorgte dafür, dass sich dieser Abend nicht wie ein weiteres Konzert einer großen Tour anfühlte, sondern wie etwas Besonderes. Und ausverkauft war der Alte Schlachthof schließlich trotzdem.
Schon in unserem Vorbericht hatten wir darüber geschrieben, dass Skunk Anansie auch nach mehr als drei Jahrzehnten Bandgeschichte nichts von ihrer Relevanz verloren haben. Die Mischung aus gesellschaftskritischen Texten, kompromissloser Haltung und einer Frontfrau, die seit jeher jede Bühne in ihren persönlichen Spielplatz verwandelt, macht die Band bis heute einzigartig.
Gestern wurde genau das eindrucksvoll bewiesen.
Support des Abends: LOBSTERBOMB
Bevor Skunk Anansie die Bühne übernahmen, eröffnete LOBSTERBOMB den Abend. Die Band brachte den Alten Schlachthof von der ersten Minute an auf Betriebstemperatur: ein rauer, druckvoller Mix aus Garage-/Punk-Energie und Alternative-Rock, der live deutlich größer wirkte als die Spielzeit vermuten ließ. In rund 30 Minuten lieferten sie einen kompakten, schweißtreibenden Auftakt mit schnellen Wechseln, viel Bewegung und genau der richtigen Portion Unberechenbarkeit. Das Publikum war früh wach – und der Raum hatte schon vor dem Hauptact diese klebrig-heiße Clubatmosphäre, die man von besonderen Konzertabenden mit nach Hause nimmt.


Als die ersten Töne von „This Means War“ durch den Alten Schlachthof hallten, war sofort klar: Hier wird nicht gemütlich in Erinnerungen geschwelgt. Skunk Anansie kamen auf die Bühne, als hätten sie noch etwas zu beweisen. Dabei müssten sie das längst nicht mehr.
Skin wirbelte über die Bühne, suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum und schien jede einzelne Person im Raum direkt anzusprechen. Es war beeindruckend zu sehen, wie mühelos sie zwischen roher Energie und verletzlichen Momenten wechseln kann. Genau das macht diese Band seit jeher aus.

Mit Songs wie „Charlie Big Potato“, „Because of You“ und „An Artist Is An Artist“ wurde schnell klar, dass die aktuelle Schaffensphase der Band hervorragend neben den Klassikern bestehen kann. Die neuen Stücke wirkten nicht wie Pflichtprogramm, sondern wie ein selbstverständlicher Teil einer Karriere, die sich nie auf ihren Erfolgen ausgeruht hat.

Besonders bewegend wurde es während „I Believed In You“ und „Love Someone Else“. Für einige Minuten schien der sonst so energiegeladene Raum beinahe stillzustehen. Man spürte förmlich, wie sich tausende persönliche Geschichten mit den Songs verbanden.
Doch Skunk Anansie wären nicht Skunk Anansie, wenn sie sich zu lange in Melancholie verlieren würden. Mit „God Loves Only You“, „Shame“ und dem immer noch erschreckend aktuellen „Yes It’s Fucking Political“ wurde daran erinnert, warum diese Band nie nur Unterhaltung war. Ihre Musik hatte immer etwas zu sagen – und gestern klang sie aktueller denn je.

Ein erster Höhepunkt war das wunderschöne „Weak“. Kaum erklangen die ersten Töne, verwandelte sich der Alte Schlachthof in einen riesigen Chor. Einer dieser Momente, in denen man kurz innehält und sich bewusst macht, warum Live-Musik etwas ist, das keine Playlist der Welt ersetzen kann.
Mit „Twisted (Everyday Hurts)“, „I Can Dream“, „Tear the Place Up“ und dem herrlich chaotischen „Little Baby Swastikkka“ steuerte die Band auf ein Finale zu, das den Saal noch einmal komplett in Bewegung versetzte.

Dresden ließ die Band nicht ohne Zugabe gehen.
Als Skunk Anansie für den Encore zurückkehrten, lag eine besondere Spannung in der Luft. „Cheers“ sorgte noch einmal für ausgelassene Stimmung, bevor mit „Hedonism (Just Because You Feel Good)“ einer jener Songs folgte, die vermutlich ein ganzes Leben lang Menschen begleiten werden. Überall sah man lächelnde Gesichter, geschlossene Augen und Menschen, die jede Zeile mitsangen.
Als die Lichter schließlich angingen und sich die Menge langsam auf den Heimweg machte, blieb dieses Gefühl zurück, das nur wenige Konzerte erzeugen können: die Gewissheit, bei etwas Besonderem dabei gewesen zu sein.

Skunk Anansie haben gestern in Dresden nicht einfach ein Konzert gespielt. Sie haben gezeigt, warum sie auch nach über 30 Jahren noch zu den beeindruckendsten Livebands Europas gehören. Der Alte Schlachthof war vielleicht kleiner als die Junge Garde. Die Erinnerungen an diesen Abend werden es definitiv nicht sein.
Setlist:
- This Means War
- Charlie Big Potato
- Because of You
- An Artist Is An Artist
- I Believed In You
- Love Someone Else
- God Loves Only You
- Shame
- Weak
- Twisted (Everyday Hurts)
- I Can Dream
- Yes It’s Fucking Political
- Tear the Place Up
- Little Baby Swastikkka
Zugabe:
15. Cheers
16. Hedonism (Just Because You Feel Good)
Ein Abend, der bewiesen hat, dass große Konzerte nicht von der Größe der Bühne leben – sondern von den Menschen darauf. Und von den Menschen davor.





