Pentastone – Stuck In The Sky (Release 19.02.2021)

Pentastone – Stuck In The Sky (Release 19.02.2021)
Ich will ehrlich sein, ich könnte jedes Lied einzeln auseinandernehmen, da mich die Texte sehr mitnehmen. Diese sehr intensive Betrachtungsweise der Mental Health Thematik erfordert nicht nur Mut beim Schreiben dieser Tracks, sondern ebenfalls beim Auseinandersetzen mit den Geschichten. Dieses Album wird mich garantiert noch eine Weile länger beschäftigen als „nur“ für diese Review. Pentastone haben mit diesem Album etwas Einzigartiges geschaffen
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Pentastone – Stuck In The Sky (Release 19.02.2021)

 

Radio:Active Bewertung: 9/10 MEGAHERTZ

Geschrieben von: Lisa Hemp

Band: Pentastone

Album: Stuck In The Sky

Genre: Alternative Metal

Veröffentlichung: 19.02.2021

Tracklist:

  1. Rain
  2. Stuck In The Sky
  3. Get Better
  4. Haunt Me
  5. All We Ever Do
  6. Bleed You Out
  7. How It Feels
  8. System
  9. Keep Falling
  10. Wounds Are Meant To Heal
  11. Hurricane
  12. Lost In Reality
  13. Sun
  14. It Comes With The Night

 

Pentastone (c) Lara Kinzel

Pentastone kommen aus Darmstadt und bilden eine fünfköpfige Alternative Metal Familie. Bereits 2016 gründeten die 5 Musiker die Band und stellten früh fest, dass es niemals nur eine Musikrichtung geben wird, in der sie sich alle gleichermaßen zufrieden austoben könnten. Zu unterschiedlich sind die Vorlieben und zu gemeinsam ist der Nenner, auf den sie mit Pentastone kommen.

Sängerin Luisa (Lou) Knauß, Gitarrist Joschka Ihlefeld und Dennis Ludwig, sowie Bassist Fabio Brauer und Schlagzeuger Timo Schwab tourten 2018 mit ihrer Debut-EP „Poisoned Mind“, welche sie mit Tim Bonassis (Liquido, Pyogenesis, GUT, Deine Jugend), in Sinsheim im Audiodrive Studio zuvor produzierten,  durch Deutschland. Dort konnten sie bereits erste Bühnenluft atmen und begeisterten mit fetten Riffs und eingängigen Refrains damals schon das Publikum.

Natürlich habe ich beim Internet durchsuchen auch einen kleinen Teaser gefunden von der Debut EP. So klang die Band 2018:

Die Frage nach den Einflüssen der Band beantworten sie selbst wie folgt: Linkin Park, System Of A Down, The Pretty Reckless, Nothing but Thieves, Marmozetz, In This Moment oder Dream State. Diese Einflüsse klingen für mich schon ungehört sehr gut. Ich bin gespannt wie diese Bandbreite an großen Musikern, bei Pentastone zusammengefasst werden, denn der Spagat zwischen altbewährten und erfrischend neuen Ideen ist meist nicht einfach zu händeln.

Seit Mitte 2019 arbeiteten sie wieder gemeinsam mit ihrem Produzenten Tim Bonassis an ihrem Debut-Album ‘Stuck In The Sky’.

Dieses Album setzt sich zum großen Ziel, eine sichere Community für Betroffene, von psychischen Erkrankungen aufzubauen. Mental-Health-Awareness wird ein immer bedeutenderes Thema dieses Jahrtausends. Pentastone setzen sich bewusst mit verschiedenen psychischen Erkrankungen auseinander, um das Feingefühl dafür zu stärken. Heutzutage wird immer noch viel zu oft weggesehen: ob es aus Unsicherheit ist, Ignoranz oder dem fehlenden Wissen über diese Themen.

Ein Debut was Tiefgründigkeit erzählt! Chapeau von mir, denn es ist nicht selbstverständlich das Künstler ihre Kreativität und ihr Können für die Aufklärung solch wichtiger Themen nutzen. Die Platte beginnt düster angehaucht und im Laufe der Songs entwickelt sich zunehmend ein positiver Grundtenor. Die Geschichte endet mit einem Lied über Hoffnung und Loslassen.

„Egal wie schwer das Leben auch sein mag, brauchen wir manchmal das Schlechte, um uns dem Guten bewusst zu werden. Ich denke, dass es gerade zu diesen Zeiten wichtig ist, ein positives Zeichen zu setzten.“ erzählt Luisa im Interview mit unseren Freunden vom Hellfire-Magazin.

Pentastone (c) Lara Kinzel

Als female-fronted Alternative-Metal Band, wie die 5 sich gern selbst vorstellen, rennen sie ab und zu auch noch in die Vorurteile des Musikbusiness. Meine eigenen Erlebnisse als Musikerin (Schlagzeug) haben solche Vorurteile leider auch geprägt. Die Frauen in der Musikwelt, haben es leider auch heutzutage nicht immer einfach gegen die immer noch männlich dominierte Musikszene. Weibliche Künstler, vor allem in den Bereichen Rock und Metal, werden nach wie vor unterschätzt. Eigentlich wäre es an der Zeit, nicht mehr in Weiß oder Schwarz zu denken, denn das Geschlecht sagt nun wahrlich nichts über Talent aus! Sängerin Luisa singt und shoutet nämlich mit so einer enormen Energie, dass sich so manch männlicher Kollege sicher noch etwas abgucken kann.

Beim ersten durchhören der Scheibe wird sofort klar, dass die Band den Blick über den Tellerrand wagt und sich tatsächlich nicht stur auf ein Genre festnageln lässt. Sie schaffen eine bunte Mischung aus poppigen Melodien, explosionsartigen Riffs, emotionalen Gänsehautmomenten, eingängigen Metal-Parts und jeder Menge Einfallsreichtum im Songarrangement. Langweilig klingt tatsächlich keins der Lieder!

Diesmal möchte ich auch auf das Artwork der CD eingehen, denn dieses Sticht förmlich ins Auge. Auf dem Cover begrüßt den glücklichen Platten Besitzer ein traurig wirkendes blondes Mädchen im Comic Style. Die Künstlerin Christina Reymann (@dinasaurus.art) ist die Schöpferin der Zeichnungen. Lou verriet im Interview mit dem Hellfire Magazin, dass sie in den Jahren selbst zu dieser Kunstfigur geworden ist und mit der sie das Projekt Pentastone auf der Bühne verkörpern möchte. Auf der CD direkt ist eine weitere Zeichnung zu finden, die einen ersten Einblick in die tiefe Thematik der Songs möglich macht.

Ich deute es als den Kampf zwischen seelischen Schmerz/Einsamkeit und den inneren Dämonen, die alles dafür geben, diesen Zustand nicht verlassen zu können.

„Remember, when you give up your heart. When you let go one of your dreams and let them die inside your chest, there will be nothing left, but void!“

Diese Zeilen sind die ersten, die den Zuhörer direkt im Intro treffen werden. Deep Talk, der direkt ins Herz trifft und sofort der Thematik Mental Health die volle Aufmerksamkeit schenkt. Es wirkt wie eine Art Warnschuss, was passieren kann, wenn den inneren Dämonen die Macht überlassen wird und es leichter erscheint aufzugeben, als sich vielleicht sogar Hilfe zu suchen. Das Intro dauert nur wenige Sekunden, aber nimmt einen sofort ein. Man ist regelrecht erstarrt und wird direkt auf eine Reise eingepackt, die man so zuvor wahrscheinlich nicht erwartet hätte.

Der Album Titel „Stuck In The Sky“ ist direkt der erste Song auf dem Album und fesselt von Anfang an mit einer prägnanten und ausgeprägten Bassline. Die Gitarrenriffs sind dunkel und unterstützen die teils melodisch erzählenden Gesangparts im Wechsel mit einem unfassbar energetischen Shouting von Frontfrau Lou. Die Sängerin vereint in ihrer Performance ein großes Spektrum von Gesang und Shouting, was man tatsächlich nicht all zu oft zu hören bekommt. Eine kraftvolle Stimme, die dabei keinerlei Gefühl einbüßt. Wut, Verzweiflung und der Kampf Hoffnung den Lou kompromisslos in dem Song wiedergibt.

„Get Better“ lässt mein kleines Schlagzeug Herz höherschlagen. Kein einfallsloser stupider 4/4 , sondern ein gut durchdachter Schlagzeug Teppich anhand von Tom Abfolgen. Dieser Beat drückt den Song nach vorn und untermalt die Gitarrenparts. Kein einfaches durchgeschrammel, sondern gut platzierte Breaks, die Sängerin Lou durch den Song begleiten. Bonassis Of Gut unterstützt mit exzellenten Shouting Einwürfen. Lou und er ergeben eine Symbiose aus Kraft und Aufbruchstimmung. „Get Better“ entpuppt sich zu einem meiner Favoriten der Scheibe.

„Haunt Me“

„But i´m a Fighter, my Head´s on Fire, but I´m A Fighter, Like I´ll Always Be. When they try to haunt me. Don´t try to Haunt Me!“

Dieser Track fasziniert auch mit clever eingesetzten Beatwechseln und einem abwechslungsreichen Arrangement. Erneut straightes Drumming mit vielen Facetten. Gut platzierter wummernder Basssound und die beiden Gitarristen sind wirklich großartig aufeinander abgestimmt und ergänzen sich im Songgeflecht. „Haunt Me“ erzählt von der innerlichen Zerrissenheit zwischen Stärke und den unzähligen schmerzenden Gedanken im Kopf. „My Head´s On Fire“ ist eine wirklich gelungene Metapher für die Kämpfe, die Menschen mit sich selbst austragen müssen, während die Mentale Gesundheit ihre Streiche spielt.

„Bleed You Out“ hat mir im ersten Moment einen Streich gespielt. Denn ich dachte kurz mein geliebter Kopfhörer gibt den Geist auf. Was für ein überraschender Schachzug, denn die Band startet diesen Track Mono und geht zärtlich in den gewohnten Stereo Sound hinüber. Mit so etwas rechnet man dann eben doch nicht unbedingt und bewirkt das so eine Nummer im Kopf bleibt. Im Vergleich zu den Vorgänger Nummern erscheint dieser Song tatsächlich wie eine Ballade. Ruhig gewählte Gitarren Lines und ein allgemein zurückhaltender Aufbau, was jedoch nichts an dem rockigen Charakter der Band vermissen lässt.

Pentastone (c) Lara Kinzel

 

„Keep Falling“ besticht durch die zerbrechlich wirkende Stimme in den Strophen. Authentisch abgestimmter Sound zu den Lyrics. Nicht der erste Track bei dem ich Gänsehaut bekommen habe.

„The Devil Is Sitting On My Shoulder, You Gotta Do What He Told You. The Angels Have Been Gone So Long, Hell Is The Place I Belong“ heißt es in „Hurricane“ .

Keep Falling Song:  https://www.youtube.com/watch?v=_SOoc5vFqSk

Ich will ehrlich sein, ich könnte jedes Lied auseinandernehmen, da mich die Texte sehr mitnehmen. Diese sehr intensive Betrachtungsweise der Mental Health Thematik erfordert nicht nur Mut beim Schreiben dieser Tracks, sondern ebenfalls beim Auseinandersetzen mit den Geschichten. Dieses Album wird mich garantiert noch eine Weile länger beschäftigen als „nur“ für diese Review. Pentastone haben mit diesem Album etwas Einzigartiges geschaffen, was nicht damit geizt, wenn es um klare Worte über Sachen geht, die nicht jeder gern hören möchte. Themen die immer noch von der Gesellschaft zu gern unter den Teppich gekehrt werden. Für manch einen könnte dieses Album schwere Kost sein, aber es lohnt sich zumindest den Versuch zu starten, um sich auf die Songs intensiver einzulassen.

Musikalisch kann man Pentastone nichts Negatives vorwerfen. Instrumental sind sie mehr als Fit und Lou´s Stimme braucht sich vor niemandem zu verstecken. In dieser Frau steckt so viel Power und Facettenreichtum! Dieses Debut Album kann sich sehen und natürlich hören lassen! Von mir gibt es 9/10 Megahertz

Mehr Informationen: 

Homepage: https://www.pentastone.de/

Facebook: https://www.facebook.com/pentastone/

YouTube-Channel: https://www.youtube.com/channel/UCVxFqu7G8oU4Lh23mW7kPCw

Instagram: https://www.instagram.com/pentastone_official/

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