High:Fiv5 Interview – REACH

 
 

Wir haben uns heute Ludvig, Sänger und Gitarrist von der schwedischen Band Reach geschnappt und mit ihm ein “kurzes” aber “intensives” Interview geführt. Vorwarnung: Es wurden auch sensible Themen wie Mental Health angeschnitten.

Mehr Infos zu Reach: https://www.facebook.com/reachofficia…

Das Video findet ihr auch hier 


Wer sind Reach?

Die alternative Rockband Reach wurde 2012 von Ludvig Turner (Gesang, Gitarre) und Marcus Johansson (Schlagzeug) gegründet. Das Duo lernte sich kennen, als Marcus bei Ludvigs aktueller Band vorspielte. Sie verbanden sich sofort auf einer solchen Ebene, dass beide beschlossen, ihre Bands zu verlassen, um gemeinsam ihr eigenes Projekt zu starten. 

Im Jahr 2014 veröffentlichte Reach ihr erstes Album “Reach out to Rock”. Nachdem sie mit dem Debütalbum durch Europa getourt waren, strukturierte sich die frühere Vierergruppe um und wurde zu einem Trio, das nun aus Ludvig, Marcus und dem neu hinzugekommenen Soufian Ma’Aoui (Bass) besteht.

 


 INTERVIEW:

 

Ludvig: Hallo, mein Name ist Ludvig Turner. Ich bin der Sänger und Gitarrist der schwedischen Rockband “Reach”. Ich habe zugesagt heute ein paar Fragen für das Radio:Active Magazine zu beantworten. Los geht’s!

Radio:Active: Wie spiegelt sich deine Persönlichkeit in deiner Musik wider?

Ludvig: Bei Musik mag ich es theatralisch, episch und groß…große Melodien und großer Tonumfang. Das ist das was ich mag. Wenn es um die Texte geht… Als ich früher Texte schrieb, hab ich das gar nicht so aufgegriffen. Erst beim jetzigen Album “The Promise of a Life” und bei den bisher veröffentlichten Singles, wo ich echt viel  Zeit mit den Lyrics verbracht habe. Die meisten Songs, habe ich aus meinen dunkelsten Gedanken ausgegraben. Fast wie der Teufel auf der Schulter. Ich befasse mich manchmal extrem mit Dingen und arbeite mich in Themen richtig ein. Zum Beispiel beim Song “Young againbei dem es um eine Art.. Es geht um eine Art Kampf mit der psychischen Gesundheit. Bei dem Song ist es seltsam. Die Lyrics sind ziemlich düster, aber wird mit einem positiven Vibe präsentiert. Ein poppiger Song. Ich will damit überhaupt nicht über psychische Erkrankungen spotten! Ich will die psychischen Probleme als eine Art Schurken darstellen. Als Teufel.

 

Radio:Active: In „Young Again“ heißt es: “I’m tired of doing all the same things on repeat.” Denkst du ein Arbeitsleben abseits der Routine ist möglich? Was müsste sich ändern, damit niemand im langweiligen Job versumpft? 

Ludvig: Dafür habe ich echt nicht genug Zeit damit verbracht, mich über das Thema zu belesen. Ich habe meine Gedanken dazu, aber das ist nur meine Meinung. Ich liebe es zuzuhören, wenn andere darüber reden. Ich denke in der jetzigen Gesellschaft ist das nicht möglich, aber hoffentlich in der Zukunft. Das ganze Thema “psychische Gesundheit” und die Bedeutung davon, ist recht neu, oder? Die ersten Antidepressiva wurden in den späten 50er Jahren entwickelt oder so. Das ist noch nicht lange her. Ich erinnere mich an Geschichten, die mein Vater mir erzählt hat, wie es früher bei ihm mit der Arbeit war. Da haben psychische Erkrankungen quasi “noch nicht existiert”. 

Du hast einfach weitergearbeitet. Das ist natürlich nicht so toll, aber es gab eine Veränderung in den Generationen. Die einen arbeiten einfach weiterund die anderen- die jetzige Generation nehmen sich die Kids das Leben. Vor allem in Schweden. Wir haben eine hohe Suizidrate, besonders bei jüngeren Männern. Und ich denke, dass ich Leben wertschätze, wenn ich Zeit in mich selbst investiere und Dinge tue die ich genieße. Das ist nicht für jeden möglich, das verstehe ich. Ich habe mein Leben so arrangiert, dass ich das beides mache, bei dem was ich mag. Zum Beispiel beim Musik machen, körperlicher Arbeit und Verantwortung haben und das irgendwie unterhaltsam finden. Da eine Balance finden.

Mir ist sehr bewusst, dass es nicht bei jedem so ist wie bei mir. Ich würde gerne eine Zukunft sehen, wo man Zeit hat in sich selbst zu investieren. Ich glaube sehr daran. Und ich hab von Leuten, die ihr Leben damit verbringen das zu studieren und versuchen die Welt voran zu bringen, dass der 9-17 Uhr von Montag bis Freitag Arbeitsaufbau, der Vergangenheit angehört. Ich habe mich viel mit dem (bedingungslosem) Grundeinkommen beschäftigt und die positiven und negativen Seiten davon. Da geht es auch viel um Verantwortlichkeit, schätze ich. Wenn du Zeit damit verbringst…Ich kenne Leute die keinen Job haben, die nichts tun und einfach Zeit absitzen. Das ist auch nicht gesund. Dann habe ich Freunde die viel arbeiten. Bei denen weiß ich, dass sie glücklich wären, wenn sie was tun würden, was sie gerne machen. Es muss da eine Balance geben. Und wenn du diese Entscheidung treffen kannst… Wenn man für die Entscheidung für alle verantwortlich ist, dann sollte man daran arbeiten das er funktioniert, oder?

Ich bin nicht sicher. Ach, keine Ahnung. Schwierige Frage und  ich bin wohl nicht die richtige Person, die das beantworten sollte, denke ich. Aber dass ist meine Meinung.

 

Radio:Active: Planst du momentan schon ein neues Projekt? 

Ludvig: Ich plane immer Sachen und tue Sachen. Gerade wo wir von Problemen mit psychischer Gesundheit geredet haben… Mein Weg voranzukommen, vor allem in so einem Jahr, wo alles geschlossen ist. Wo ich nicht machen kann was ich liebe: Live-Musik spielen. Rock’n’Roll mit meiner Band live spielen. Ich suche mir alle möglichen Beschäftigungen. Ich habe gerade eine Lizenz besorgt, um mit der  Kettensäge zu arbeiten. Und ich erarbeite mir gerade das Wissen, um Kapitän zu sein. Ich arbeite auf einem Boot, weil ich Zeit habe. Und die meiste Zeit schreibe ich Musik. Manchmal bleibe ich hängen, aber.. Dieses Jahr habe ich tatsächlich am wenigsten Musik geschrieben. Meist mache ich die meisten Fortschritte mit dem Texten und mit meiner Band, wenn ich mit was anderem beschäftigt bin. Es ist schon seltsam, wenn du alle Zeit der Welt hast, um zu schreiben. Aber ich habe kann nicht absehen, wann das hier vorbei ist und ich wieder auf einen Gig hinarbeiten kann. Naja, wir haben schon ein paar Gigs geplant, aber man weiß ja nie. Es ist schwer für mich voranzukommen, aber ich gebe mein Bestes. Also bei konkreten Projekten…Ich arbeite schon an zukünftigen Alben. Wenn es nach meinem Kopf geht, werden wir noch einige Alben veröffentlichen. Ich wünschte… Das ist die Sache des Labels, aber ich würde mit Reachgerne ein Album mit 30 Songs rausbringen. Nicht für dieses Album “The Promise of a live”, sondern beim nächsten hätte ich gerne eins mit 30-35 Songs. Das wäre cool.

Radio:Active: Was waren die größten Schwierigkeiten, die euch bei einem Gig passiert sind?  

Ludvig: Was mir in den Kopf kommt, war vor zwei Jahren als wir in Spanien getourt sind. Wir allein. Marcus, Soufian und ich, mit dem gemieteten Auto und wir hatten 10/11 Shows vor uns. Und wir hatten diesen Techniker. Diesen Ton-Typen. Der Veranstaltungsort war der dritte oder vierte Gig. Er hat nicht gut Englisch gesprochen und ich nicht gut Spanisch. Unser Drummer wollte an bestimmten Stellen Hall auf seinen Gesang haben. Und da gab es keine Chance wie ich ihm erklären sollte, wann genau er das im Song einschalten sollte. Ich hab ihm dann einfach gesagt er soll Hall für den ganzen Gig drauf machen und es so lassen. Er meinte: Ja klar! Wir sind dann los, haben was gegessen und kamen zurück. Und er meinte: Leute ich habe gute und schlechte Nachrichten. Ich nur: Und was? ER: Gute Nachricht, ich habe den Hall auf dem Mikro. Ich: Das ist super. Er: Die schlechte Nachricht…Alles andere ist weg. Der ganze Soundcheck war also für Nichts. Er hat es irgendwie geschafft die Einstellungen von den zwei Stunden mit uns zu löschen. Das war so nervig! Und da gab es noch was. Leider nicht im Sinne von lustig, aber vor einem Gig ist mein Bruder gestorben und mein anderer Bruder hat mich angerufen. Er hat mir das nur Minuten vor dem Auftritt gesagt. Ich hab den Gig ohne Probleme gespielt, aber das war echt eine seltsame Situation.

Mit “Reach”. Ich sage euch diese Band hatte die beschissensten Auftritte! Auch Gute. Die meisten waren cool. Aber es gab auch viele schräge Gigs.

 

Radio:Active: Wenn du eine Sache auf der Welt ändern könntest (egal wie unrealistisch). Was wäre das?

Ludvig: Okay, im Moment hätte ich gerne, dass COVID verschwindet. Das wäre großartig. Ich schätze ich kann da höhere Ziele setzen. Ich bin sehr interessiert an Kosmologie. Interstellare Reisen zu anderen Planeten im speziellen und Reisen zu Exoplaneten. Ich liebe es mir solche Sachen anzuhören. Ich habe kürzlich viel Zeit damit verbracht, vor allem dieses Jahr, mir anzuhören wie Roger Penrose über Spinor, schwarze Löcher und Ionen und so spricht. Oder Brain Cox. All so coole Sachen. Da gibt es noch einige Leute mehr. Ich habe echt viel Zeit damit verbracht mir das anzuhören Und wenn ich eine Sache ändern könnte…Das ist spannend für mich. Ich will nicht zu hoch greifen und sagen “Alle sollen glücklich sein”. Das wäre auch schön, aber eine Sache die vielleicht realistischer ist und echt cool wäre wäre die Möglichkeit in meinem Leben interstellare Reisen zu erleben. Das wäre so cool! Wenn ich eine Sache ändern könnte, wären das die Restriktionen bei der Wissenschaft und der politische Einfluss darauf. Das ist seltsam, oder? Ein seltsamer Wunsch. Ich antworte doch das: Jeder soll glücklich sein. Wenn ich was ändern könnte, sollte jeder glücklich sein und COVID…Raus!

 

Radio:Active: Reach wird vor allem durch seine Mitglieder definiert. Was trägt jeder von euch bei? Was hat sich mit dem Beitritt von Soufian geändert? 

Ludvig: Alles hat sich damit geändert, dass Soufian zur Band kam. Wir sind jetzt drei beste Freunde, die Musik zusammen machen. Wir diskutieren, aber streiten uns nie richtig. Wir hatten nie eine große Unstimmigkeit. Wir kennen uns schon ewig. Soufian, Marcus und ich. Jeder bringe was in die Band ein. Ich schreibe viele Texte, aber das ist echt nur ein kleiner Teil von “Reach”. Was sie einbringen: Soufian spielt den Bass, wie kein anderer den ich kenne. Marcus ist ein teuflisch guter Drummer. Wenn ich Songs schreibe, hören die sich überhaupt nicht an wie am Ende bei der Aufnahme. Es sind Marcus und Soufian, die sie nach Reach klingen lassen. Reach wäre nicht Reach, wenn einer fehlen würde. Wir machen die Band aus. Alle von uns.