Alarmbaby – Killamädchen VÖ: 20.11.2020

Alarmbaby – Killamädchen VÖ: 20.11.2020
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Radio:Active Bewertung: 10/10 MEGAHERTZ

Geschrieben von: Lisa Hemp

Band: Alarmbaby

Album: Killamädchen

Genre: Elektro Punk/Stoner Rock

Label: Drakkar Entertainment

Veröffentlichung: 20.11.2020

 

Tracklist:

  1. Alarmbaby
  2. Schneller als die Zeit
  3. Alarmzustand für Deutschland
  4. Killamädchen
  5. Stärker
  6. Generation Z
  7. Zu Gut für Dich
  8. Mehr
  9. Boom Boom
  10. Kaputtgeh´n
  11. Influenza
  12. Mach mich High

 

„Alarmbaby ist laut und heftig“

…lese ich voller Euphorie im Pressetext. Ein paar Songs waren mir schon gut bekannt, als das Album bei mir eintraf und ich konnte es kaum erwarten reinzuhören. Die Band aus Mannheim existiert noch gar nicht so lang, aber klingen schon wie „alte Hasen“. Die Bandkonstellation passt wie Arsch auf Eimer und mit ihren Meinungen halten sie auch nicht hinterm Berg! So gehört sich das und wird garantiert vielen Hörern nicht mehr aus dem Köpfchen gehen.

Frontfrau Mary ist ins große „Haifischbecken Musikbuisness“ hineingeboren und konnte als Tochter eines bekannten Videoregisseurs früh die Schwimmflügel anziehen, um darin nicht unterzugehen. Dieser Fakt dürfte garantiert so einiges an Lehrgeld mitgebracht haben, was sich nun offenbar auszahlt.

„Während andere Kinder mit Barbies gespielt haben, lernte Mary bereits in ihrem Kinderzimmer zu singen und zu rocken. Mary hat viele Höhen und Tiefen durchlebt und jetzt ist sie stark. Verdammt stark!“

Der Album Name „Killamädchen“ kommt demzufolge nicht irgendwoher und zeichnet eine Lebensgeschichte in allen Farbenfacetten: Hierbei meine ich nicht immer bunt!

Die Geschichten in den Songs reichen weit über Liebe, Tod, Krawall, Aufruhr, Ektase oder Sex… und jedes Thema trägt ein wenig Fingerakrobatik mit sich… Teils erheben sie liebevoll den Zeigefinger und  andere Male findet der Mittelfinger seine bekannte Rolle ziemlich gut.  

Auf den ersten Ton geben sich Powerstimme, donnernde Drums, Eighties-Style-Elektronik und harte Gitarrenriffs die Klinke in die Hand und spielen sich gekonnt die Bälle hin und her. Einmal durchdrehen und alles um sich herum vergessen? Dann ab zu Alarmbaby! Die Musik macht nicht nur Spaß, sie bringt neben Tiefgründigkeit auch noch die notwendigen Seitenhiebe mit. Nicht zu vergessen: diese Mischung, fühlt sich an wie die Bestellung für das Jahr 2020! In dem Jahr, in dem gefühlt die ganze Erde zusammenfällt und vielen Menschen vielleicht wieder einfällt, worauf es im Leben wirklich ankommt.

„Wo führt das hin, wo soll das enden? Wir leben schneller als die Zeit!“ singt Mary und eröffnet die Gedanken hinter der viel zu oft erlebten oberflächlichen Welt.

Dieses Album ist nichts für „Weicheier“, denn gesellschaftskritische Wunden werden aufgekratzt und unliebsame Fragen werden hinausgetragen. Wer mit diesem Wesen nicht zurecht kommt, hat Alarmbaby als Neuentdeckung nicht so ganz verdient. Wer jedoch mit zwei offenen Augen und Ohren ohne Durchzug ausgestattet wurde, der wird hier auf eine Reise gegen die alltäglich übertriebene Generation Z Kultur eingeladen.

„Vollgas! Wir alle zusamm´, Alarmbaby setzt die Bühne in Brand. Wir geben Vollgas! Für immer und wir. Alarm, Baby! Lass den Abriss regier´n! Alarm, Baby! Alarm, Baby! Alarm, Baby! Lass den Abriss regier´n.“

Diese Zeilen springen einen förmlich entgegen, wenn man sich dem erstem Track genauer zuwendet. „Alarmbaby“ eröffnet den Abriss und spiegelt auf den Punkt wieder, was die folgenden Songs zu bieten haben. Ein gelungener Schachzug, um ein Debütalbum beginnen zu lassen. Die Nummer ist laut, frech, überzeugt und straight ahead Richtung: Hier kommen wir und hier gehen wir auch nie wieder weg! Und eine Bandvorstellung könnte besser nicht klingen.

Kleine Anekdote aus dem Leben eines „Musikrezensions/Senfdazugebers„ bei der Arbeit: Neben dem Aspekt, dass man nicht jünger wird, zweifelt man dann doch manchmal an Dingen, die man selbst macht. Gerade geschehen! Alarmbaby haben sich große Mühe beim Booklet und der äußeren Hülle des (CD) Babys gegeben. An dieser Stelle auch ein großes Lob an Cover und Artwork: Simon Richter/Deluxe Media GmbH und die Fotografen: Timo Ehlert/Robert Bröllochs. ABER! Wer um Himmelswillen hatte die fiese Idee die Reihenfolge der Lyrics von „Alarmzustand für Deutschland“ und „Schneller als die Zeit“ zu vertauschen? Ja ich passe auf! Ich war kurz der Meinung auf meinem Exemplar fehlt der Song Alarmzustand für Deutschland. Falls dieser Fakt demnächst ein Gewinnspiel werden sollte a lá wer findet den Fehler im Booklet… ich melde mich hiermit schon mal für meinen Gewinn an. Vielen Dank für die kurze Verwirrung, die mich mehr als Schmunzeln lassen hat.

Entwarnung sei gegeben, die angehende Hitsingle „Alarmzustand für Deutschland“ ist natürlich mit auf dem Album. Der Titel ist eine absolute Up-Tempo Nummer die sowohl in die Beine als auch ins Genick geht. Wer bei diesem Track nicht automatisch mit Headbangen starten muss , der ist von diesem Konzertlosen Jahr eindeutig eingerostet. Der Song kommt zur richtigen Zeit und mit der richtigen Botschaft. Schaut man über den Tellerrand und beobachtet ein wenig manche Bewegungen weiß man welcher Alarmzustand gemeint ist. In einer sogenannten Demokratie darf auch erlaubt sein, eine eindeutige Meinung über fragwürdiges und aufhetzendes Verhalten ausgesprochen zu werden. Nicht zu vergessen mit den dazugehörigen Rückblicken in die Vergangenheit.

 

„Ist doch klar, dass sie rechts außen stehen. Warum wollt ihr sie in eurer Mitte sehen? Das A zum F zum D. Alarmzustand für Deutschland. Solange meine Stimme klingt, werd´ ich meine Lieder singen. Von Mut und Menschlichkeit. Alarmzustand für Deutschland!“

 

An dieser Stelle ist mein Bandvergleich wahrscheinlich am besten platziert: Seitdem ich Alarmbaby kenne, bleibe ich immer wieder in Gedanken an der Attitüde und den unglaublich offenen und teils auch etwas positiv provozierenden Texten von Jennifer Rostock hängen. Ja sorry liebe Alarmbabys: Ihr habt meine große Sehnsucht nach Jennifer Rostock gestillt! Herzlichen Glückwunsch zum flicken eines Herzens. „Alarmzustand für Deutschland“ ist im Familienstammbaum dieser Thematik für mich direkt auf Augenhöhe mit diesem Song:

4 Jahre trennen die beiden „Geschwister“ Songs voneinander… die traurige Wahrheit ist: das Thema hat kein bisschen an Aktualität und Wichtigkeit verloren! Ebenfalls an diesem Punkt: Danke für all die Bands die Worte für dieses Thema finden und damit zum Nachdenken anregen!

Ich entschuldige mich jetzt schon für diese lange Rezension, jedoch fällt es mir persönlich schwer bei guten inhaltlichen Songs nicht auf den Kern zu reagieren. Viel zu oft landen Songs in den Charts ohne Sinn und Verstand, wenn man auf die Texte hört, da viele Menschen den einfachen eingängigen Melodien folgen, um vom Alltag abzuschalten. Jedoch wo läuft die Menschheit hin, wenn man die Augen verschließt und den einfachen Weg geht, weil der Widerstand weniger schmerzt. Versteht mich nicht falsch: Musik hat in jeder Facette seine Daseinsberechtigung und ohne Musik wäre das Leben verdammt kalt und einsam. Mir persönlich gefallen jedoch die lauten „Querulanten“ , die Bands, die etwas zu sagen haben. Und mit „Querulant“ meine ich nichts Negatives, sondern die Spezies Mensch, die nicht davor zurück schreckt auf Gegenwehr zu treffen, da sie wissen: Ohne Meinungsaustausch fehlt diesem Planeten etwas!

In dem Track „Killamädchen“, welcher gleichzeitig der Debütalbum Titel ist, gibt sich die starke Persönlichkeit von Mary-Anne zu erkennen.

„Und ich will, dass du weißt, dass ich gleich bleib. Jeder Mensch darf am Ende ein Mensch sein. Wird mal wieder Zeit richtig durchzudrehen. Mach mal Platz, hier kommt n Killamädchen. Jedes Pfund an mir ist wunderschön. Weil ich n KKKillamädchen bin!“

Ich fasse mich kurz: Leute lächelt und habt Spaß im Leben, dann kann Euch niemand etwas! Mobbing und Menschen die Denken sie seien etwas Besseres haben ein Egoproblem! Die Welt wäre soviel schöner, wenn wir alle Killamädchen wären.

Zu „Generation Z“ haben wir vor kurzem bereits etwas veröffentlicht: Alarmbaby aus Mannheim veröffentlichen Splatter-Video zur neuen Single “Generation Z” – Debüt erscheint Ende November!

Die restlichen Songs werde ich an dieser Stelle nicht so genau auseinandernehmen, da es den Rahmen sprengen würde. Ein Grund mehr das Album zu kaufen, um die wirklich brillant umgesetzten Themen selbst zu beurteilen. Musikalisch gesehen habe ich mich bisher knapp geäußert, das möchte ich allerdings noch ändern:

Instrumental haben Alarmbaby eine ganze Menge drauf, denn sie bringen den richtigen Groove an den richtigen Stellen mit und allein die Rhytmusfraktion sorgt für mehr Taktgefühl, als es so manch andere Band für möglich hält. Die Frontfrau sticht mit einer professionell und zu gleich von tief drinnen gesteuerten Stimme heraus, dass man diese einer Band direkt zuordnen kann. Widererkennungswert ganz großgeschrieben. Die Lyrics sind wundervoll und doch wären sie nur halb so ergreifend ohne die Riffs und Melodielinien.

Wer bis hierhin gekommen ist, dem brauch ich wahrscheinlich die 10/10 Megahertz nicht weiter zu erläutern. Grandiose Platte und für ein Debütalbum weit über den Erwartungen. Liebe Band: Bitte macht genauso weiter und lasst euch nicht verbiegen! Ihr habt einen treuen neuen Anhänger gefunden und ich freue mich auf alles was da noch so kommt!