Molchat Doma in Leipzig: dunkler Post-Punk im Täubchenthal am 13. August
Am Mittwoch brachten Molchat Doma ihren düsteren Sound aus Minsk ins Täubchenthal nach Leipzig. Draußen waren um die 35 Grad, als das überraschend vielfältige Publikum vor Ort eintrudelte. Erwartet hatte ich (warum auch immer) vorwiegend männliche Fans um die 40, die mit komplett schwarzen Klamotten und Band-Shirts den Raum füllten. Aber ich wurde eines Besseren belehrt: Molchat Doma holt ein sehr breites Spektrum ab! Von jung, bis alt war alles dabei und auch vom Kleidungsstil her war eine bunte Palette abgedeckt! Um mich herum vernahm ich viele Leute, die englisch- oder russischsprachig waren und viele trugen auch richtig cooles Make-Up.

Aber nun zur Show: es war kurz nach 20 Uhr, als sich die Bühne mit Nebel füllte und plötzlich ein Schatten vor die Scheinwerfer trat. Zu sehen gab es die Künstlerin Rare DM aus Brooklyn, die für eine halbe Stunde mit ihrer mystischen Performance faszinierte. Vom Sound her kann man das Set als düster, schrill und doch euphorisierend bezeichnen. Die Songs waren vor allem durch starke Melodien geprägt, die ab und zu mit Gesang, vereinzelten Schreien oder experimentellen Soundeffekten verfeinert wurden. Ich fand Rare DM war die perfekte Wahl als Support, weil sie (klanglich und visuell) genauso Kontraste verkörperte, die man sie auch von Molchat Doma kennt.
Nach einer kurzen Umbaupause ging es dann weiter mit dem Headliner. Als Molchat Doma die Bühne einnahmen, war es fast komplett dunkel im Täubchenthal. Die Fans jubelten und die ersten Bassriffs erklangen in der Luft. Ich kann leider dieses Mal keine Songtitel im Konzertbericht integrieren, weil ich a) kein russisch spreche und b) ich die Namen der Tracks nicht immer direkt zuordnen konnte.
Das Trio ließ sich von der Sprachbarriere aber überhaupt nicht einschüchtern und legte mit einer unglaublich mitreißenden Energie los, was ich vom Genre her überhaupt nicht erwartet hätte. Hier wurde sehr ausdrucksstark getanzt und die gesamte Fläche der Stage wurde genutzt. Zu den Bewegungen von Sänger Egor Shkutko fällt mir nur die Beschreibung „wilder Mönch“ ein, weil er mich mit seiner tiefen, beschwörenden Stimme direkt in seinen Bann zog und währenddessen alle Gliedmaßen in unterschiedliche Richtungen bewegen konnte. Auch im Publikum ließen sich einige Leute inspirieren und tanzten völlig ungehemmt mit, was ich richtig toll fand.


Die anderen Bandmitglieder Roman Komogortsev und Pavel Kozlov blieben zwar in ihren zugewiesenen Bereichen der Bühne, aber lieferten dort auch auf 120% ab. Immer wieder lächelten sie sich zu und ließen der Leidenschaft zur Musik freien Lauf. Der Klang war glasklar und hypnotisch und lieferte genau das richtige Maß an Kälte, was ich an diesem heißen Sommertag gebrauchen konnte. Zwischen den Songs wurde nicht viel geredet, außer hier und da eine Songankündigung oder ein „thank you“, aber mehr war auch nicht nötig. Molchat Doma waren auch ohne große Reden sympathisch anzusehen und schufen eine intime, gefühlvolle Atmosphäre.


Mein Fazit:
Das Konzert von Molchat Doma in Leipzig war für mich ein Abend der unerwarteten Momente. Ich kannte vorher die bekanntesten Songs der Band, aber nicht alle, die gespielt wurden und trotzdem hat mich jeder Titel live total abgeholt. Die Band hat eine sehr einprägsame Performance hingelegt, wie ich sie im Post-Punk-Bereich noch nicht gesehen habe und diese Intensität haben sie während der gesamten Setlist beibehalten. Ich fand es außerdem sehr schön zu sehen, wie viele verschiedene Gruppen von Menschen hier zusammenkamen, um sich die Show anzusehen. Das zeigt wieder, wie sehr Musik zusammenschweißen und Brücken bauen kann, was wir in der heutigen Zeit durchaus gebrauchen können.






























