
The Night of the Proms ist für viele mehr als nur ein Konzert – und in diesem Jahr ganz besonders, denn 2025 steht im Zeichen eines großen Jubiläums: 40 Jahre Night of the Proms. Seit 1985 begeistert das Format europaweit mit der Idee, Klassik und Pop nicht gegeneinander auszuspielen, sondern gemeinsam auf eine Bühne zu bringen. Genau dieses Selbstverständnis war auch in Erfurt in jeder Minute spürbar.
Ich saß neben dem Publikum und hatte sofort das Gefühl, Teil von etwas Vertrautem und zugleich Feierlichem zu sein. Das Orchester eröffnete den Abend mit kraftvoller Präzision und erinnerte daran, dass die Proms ihren Ursprung in der klassischen Musik haben. Werke und Motive aus der Klassik, wie sie auch im offiziellen Programmheft hervorgehoben werden, bildeten das Fundament des Abends – nicht als Pflichtübung, sondern als emotionales Rückgrat der Show.

Besonders spannend war, wie die bekannten Pop- und Rocktitel in das orchestrale Klangbild eingebettet wurden. Laut Programmheft steht die Jubiläumsausgabe bewusst für einen Rückblick auf vier Jahrzehnte Proms-Geschichte: große Hymnen, emotionale Balladen und mitreißende Klassiker, neu arrangiert für Orchester, Band und Chor. Genau das funktionierte auch live hervorragend. Viele Stücke kannte man natürlich – aber sie klangen größer, dichter und intensiver als im Original.



Die Solistinnen und Solisten trugen maßgeblich zu diesem Eindruck bei. Jeder Auftritt hatte seine eigene Handschrift, und doch fügte sich alles stimmig in den Gesamtbogen des Abends ein. Mal war es die stimmliche Wucht, mal ein leiser, fast intimer Moment, der besonders hängen blieb. Gerade diese Wechsel zwischen Gänsehaut und Euphorie machen den Reiz der Night of the Proms aus – und sie wurden in Erfurt voll ausgespielt.
Auch die Inszenierung unterstützte den Jubiläumscharakter. Licht, Projektionen und Bühnenbild waren nicht überladen, setzten aber gezielt Akzente bei den musikalischen Höhepunkten. Spätestens im zweiten Teil des Abends war das Publikum vollständig eingebunden: Es wurde mitgeklatscht, mitgesungen und gejubelt.
Das Finale fühlte sich dann wie ein musikalisches Dankeschön an – an das Publikum und an 40 Jahre Proms-Geschichte. Als die letzten Töne verklangen, blieb nicht nur Applaus, sondern auch Vorfreude. Denn wie bereits angekündigt, kehrt The Night of the Proms 2026 erneut zurück. Der Termin für die nächste Ausgabe steht bereits fest (15.12.2026) und verspricht, die Erfolgsgeschichte auch im kommenden Jahr fortzuschreiben.


So ging ich am Ende mit dem Gefühl nach Hause, nicht einfach ein Konzert erlebt zu haben, sondern Teil eines Jubiläums gewesen zu sein. The Night of the Proms 2025 in Erfurt war ein Abend voller Erinnerungen, Emotionen und musikalischer Größe – und machte schon jetzt Lust auf ein Wiedersehen 2026.
Persönliche Highlights aus der Setlist
Ein Blick ins Programmheft half, den Abend auch musikalisch einzuordnen – und live wurden viele dieser Punkte zu echten Höhepunkten.
Der Auftakt mit „The Greatest Showman“, präsentiert vom Antwerp Philharmonic Orchestra, Fine Fleur und Rob, war ein sofortiger Stimmungsöffner und setzte den Maßstab für den Abend. Klassisch-orchestrale Momente wie Cappella’s Donauwellen, Lacrimosa / Dies Irae, „De Moldau“ von Smetana oder später der „Marionetten-Trauermarsch“ zeigten eindrucksvoll die klangliche Bandbreite des Orchesters.

Ein besonderes Highlight war für mich Joss Stone, die mit „Right to Be Wrong“ und „You Had Me“ für soulige, intime Momente sorgte – mühelos getragen von Orchester und Band.





Ebenso emotional präsentierte sich Midge Ure mit „Dancing With Tears in My Eyes“, „Vienna“ und „Breathe“, die beim Publikum spürbar Erinnerungen weckten.





Energie und Rhythmus brachten Safri Duo mit „Cinema Time“ und „Played-A-Live 2025“ in die Halle,





…bevor Vanessa Amorosi mit „Light My Fire“, „Absolutely Everybody“ und „Music“ einen kraftvollen Schlusspunkt unter den ersten Teil setzte.





Nach der rund 25‑minütigen Pause begann der zweite Teil feierlich mit „Va, pensiero“ aus Nabucco, gesungen von Fine Fleur gemeinsam mit dem Orchester – ein Moment, der der Jubiläumsausgabe besondere Würde verlieh.
Michael Schulte überzeugte anschließend mit viel Nähe zum Publikum bei „Falling Apart“, „You Let Me Walk Alone“ und „Back to the Start“, bevor Safri Duo mit „Carol of the Bells“ und „The Cave“ erneut für pulsierende Spannung sorgten.





Zu den emotionalen Höhepunkten des Abends zählten die Duette: „Ordinary“ mit Joss Stone und Michael Schulte sowie das energiegeladene Medley „Lady Marmalade / It’s Raining Men“ mit Joss Stone und Vanessa Amorosi.





Der große Rockmoment folgte mit Alice Cooper, der mit „Poison“, „Only Women Bleed“, „Might As Well Be on Mars“ und dem unverwüstlichen „School’s Out“ noch einmal alles aus der Halle herausholte.








Den Abschluss bildete – ganz im Sinne der Night of the Proms – das gemeinsame Finale „Come Together“, bei dem alle Künstler noch einmal gemeinsam auf der Bühne standen. Ein perfekter Schlusspunkt für einen Jubiläumsabend, der musikalische Vielfalt nicht nur versprach, sondern eindrucksvoll lebte.
Night of the Proms 2025 – Ein Abend voller Kontraste und Klangwelten




