Immer nah dran – deine Quelle für Rock, Metal, K-Pop & Pop. Tournews; Konzertberichte, Soundchecks & Interviews warten hier auf dich!
Gidon Carmel Kyle Morton Stranger on a Train Artwork LR
Gidon Carmel Kyle Morton Stranger on a Train Artwork LR

Gidon Carmel & Kyle Morton – Mit Single Stranger on a Train – 1944

Gidon Carmel & Kyle Morton kündigen Konzeptalbum JOKA an

Erste Doppelsingle “Prelude“ / “Stranger on a Train – 1944“ erscheint am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust

 

 

Gidon Carmel Kyle Morton Stranger on a Train Artwork LR

 

ARTIST: Gidon Carmel & Kyle Morton
SINGLE: Stranger on a Train – 1944
LABEL: popup-records
: 27.01.2026

 

 

 

 

 

 

Mit der Doppelsingle “Prelude“ und “Stranger on a Train – 1944“ geben Gidon Carmel und Kyle Morton einen ersten Einblick in ihr außergewöhnliches Konzeptalbum JOKA, das am 12. Juni 2026 via popup-recordserscheint. Das Werk erzählt die Lebensgeschichte von Carmels Großmutter Joka – von ihrer Deportation nach Auschwitz über die Jahre nach dem Holocaust bis zu ihrem Tod in Israel 1978.

JOKA ist kein historisches Lehrstück, sondern ein zutiefst persönliches Erinnerungsprojekt und zugleich ein künstlerisches Statement gegen Krieg, Entmenschlichung und die politische Instrumentalisierung von Gedenken. Das Album entstand über einen Zeitraum von drei Jahren und ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Sänger, Songwriter und Produzenten Kyle Morton (Typhoon) und dem Schlagzeuger und Produzenten Gidon Carmel.

Mit der Veröffentlichung von “Prelude“ und “Stranger on a Train – 1944“ am 27.01.2026, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, beginnt eine musikalische  Spurensuche nach Erinnerung, Würde und Mitgefühl, wobei Gidon Carmel und Kyle Morton eine intime Erzählung aufrollen, die weit über eine Familiegeschichte hinausweist.

JOKA – ein Konzeptalbum

Ausgangspunkt des Albums war eine Kiste mit Briefen, die Gidon Carmel 2018 im Keller seiner Eltern entdeckte. Geschrieben hatte sie seine Großmutter Joka, die er selbst nie kennengelernt hatte. Sie starb, bevor er geboren wurde. Beim Lesen begann für ihn ein Prozess des „Erinnerns“ an eine Person, die ihm bis dahin nur als Fotografie und Familiengeschichte bekannt war.
Über drei Jahre hinweg sammelte Carmel Dokumente, Fotos und Zeugnisse, interviewte Angehörige und stieß schließlich auf die Erinnerungen seiner Urgroßmutter Gitta. Deren Bericht über die Zeit vor der Deportation – einschließlich der verzweifelten Frage an ihre beiden Kinder, ob sie dem Leid durch Morphium entgehen wollten – wurde zu einem emotionalen Kern des Albums. Beide Kinder entschieden sich zu leben. “That moment struck me deeply. In a way, it was the moment my own existence was decided. It became one of the central themes of the album: the idea of choosing life. And from that choice, JOKA began“, erzählt Gidon Carmel.
Das Album entfaltet sich in zehn Songs, erzählt aus der Perspektive unterschiedlicher Menschen, die Joka in verschiedenen Lebensphasen begegneten: ihrer Mutter, ihrem Bruder, ihrem Mann, ihrem Sohn – aber auch Figuren am Rand ihrer Geschichte, etwa ein Fremder im Zug oder ein Lageraufseher.
Carmel und Morton arbeiteten mit Primärquellen ebenso wie mit literarischen und historischen Werken von Primo Levi, Paul Celan, Wassili Grossman oder Timothy Snyder. Dabei bleibt stets ein Bewusstsein für die Grenzen des Verstehens: Jede Annäherung an einen anderen Menschen bleibt fragmentarisch. Ziel ist nicht Vollständigkeit, sondern ein Moment von Wahrheit – eine Erinnerung an ein gelebtes Leben.

 

Gidon Press Pic

“Prelude“ und “Stranger on a Train – 1944“

„Prelude“ ist der leise, existenzielle Auftakt des Albums. Hier formuliert Carmel die grundlegende Frage an seine Großmutter: Wie kann ich zu dir sprechen, wenn du nicht da bist? Die Antwort „Don’t worry, we’ll get back to it“ kehrt im Verlauf des Albums in immer neuen Bedeutungen und Auslegungen zurück. Im Kontext dieses Stücks ist sie ein Versprechen: Ich werde zu dir zurückkommen. Ich werde dich finden. 
„Stranger on a Train – 1944“ verortet die Geschichte in Raum und Zeit – in Gyula, Jokas Heimatstadt. Vielstimmige Gesänge erzeugen ein Gefühl von Aufbruch und Exodus. Der wiederholte Satz „Don’t worry, we’ll get back to it“ klingt hier wie ein Trost, den Eltern ihren Kindern auf dem Weg in die Deportation zugeflüstert haben könnten – ein letzter Versuch, Hoffnung und Menschlichkeit festzuhalten. Doch wenn ein Soldat dieselben Worte durch den Türspalt des Zugwaggons spricht, kippt ihre Bedeutung ins Zynische. ”Though we all know that most people didn’t make it out of Auschwitz, I believed (as a father myself) that this was what many parents told their children on the way to the death camps”, erzählt Carmel. Das Stück markiert den Übergang von persönlicher Geschichte zu historischem Abgrund.
Gidon Carmel und Kyle Morton

Gidon Carmel und Kyle Morton verbindet eine seltene künstlerische Chemie, die geografische und stilistische Grenzen überbrückt. Der in Israel geborene und seit vielen Jahren in Berlin beheimatete Schlagzeuger und Produzent Gidon Carmel ist für seine Vielseitigkeit zwischen Jazz, Swing, R&B, Rock, Pop und Funk bekannt. Mit einem feinen Gespür für Dynamik, Timing und Klangfarbe verleiht er Projekten Tiefe und Präzision.

Kyle Morton ist Gründer, Sänger und Hauptsongwriter der US-amerikanischen Indie-Rock-Band Typhoon. Seine Musik ist geprägt von orchestralen Arrangements, poetischer Erzählkunst und einer besonderen Fähigkeit, persönliche Geschichten in universelle Songs zu verwandeln. Typhoongelten als eine der markantesten Stimmen des amerikanischen Indie-Orchestersounds.

Was als Produktionszusammenarbeit begann, entwickelte sich zu einer engen kreativen Partnerschaft. “In 2022, I reached out to Kyle Morton from the band Typhoon, whose record Offerings – itself a meditation on memory – was part of the inspiration for this project”, erinnert sich Gidon Carmel. Zwischen Berlin und Portland entstanden Songs, die dokumentarische Tiefe mit literarischer Sensibilität verbinden. Morton, ursprünglich als Produzent beteiligt, wurde zum Co-Autor und, wie Carmel sagt, zu jemandem mit eigenen „Erinnerungen“ an Joka. Gemeinsam stehen Carmel und Morton für eine Form von Songwriting, die Brücken schlägt zwischen Kontinenten, Generationen und zwischen Geschichte und Gegenwart.

 

Ein klares Statement

“This is a record about human suffering and dignity. In releasing it, our hope is for a modest increase in the net sum of compassion in the world.”
JOKA versteht sich ausdrücklich als Antikriegsalbum. Carmel und Morton positionieren sich gegen Rassismus, ethnonationalistische Ideologien und Völkermord. Zugleich wenden sie sich gegen die politische Instrumentalisierung der Shoah – sei es als Rechtfertigung gegenwärtiger Gewalt oder als moralische Selbstentlastung.
”In our first conversation back in 2022, we found ourselves troubled by the way in which the memory of the Holocaust was being instrumentalized toward political ends in our respective countries: In Israel, as a shield to act with impunity toward Palestinians; in America: to remind Americans that, whatever atrocities in their own history, they are always innocent“, erinnern sich Carmel und Morton. Das Album betont die Komplexität menschlicher Rollen in Zeiten historischer Katastrophen: Es gibt weder mythischen Superhelden noch eindimensionalen Monster, sondern Menschen, die unter extremen Bedingungen handeln.
Als Zeichen dieser Haltung wird JOKA nicht auf Spotifyveröffentlicht. Ein Teil der Erlöse geht an die Hilfsorganisationen PCRF und Standing Together.

 

 

Mehr Infos
The Orchard

Instagram

YouTube

Website

Radio:Active – dein unabhängiges Musikmagazin für Rock, Metal, K-Pop, Pop & Alternative. Wir berichten aus der ersten Reihe mit ehrlichen Reactions, Soundchecks und Interviews, Tour-News, Konzertberichte mit Fotogalerien oder Live von Festivals. Wir sind live, laut und immer am Puls der Szene, wo Musik wirkt