BTS ziehen sich aus den Grammys zurück: Warum „Best Asian Pop Music Performance“ als neue Kategorie so in Diskussion steht

Update zu unserem Kommentar vom 12.06.2026: Warum „Best Asian Pop Music Performance“ Fortschritt und Rückschritt zugleich sein kann?

BTS werden ihre Musik in diesem Jahr nicht für die Grammys einreichen. In einem Statement, das über die Instagram-Stories aller sieben Mitglieder geteilt wurde, erklärte die Gruppe:
“We have decided not to submit our music to the Grammys this year. We hope music can be heard and loved as music itself, rather than being divided by region or language.”
Zudem bedankte sich die Gruppe bei ihrer offiziellen Fandom-Community ARMY und bei ihren Unterstützerinnen und Unterstützern weltweit.
Ein Rückzug, mit einem Statement
BTS haben sich über Jahre hinweg einen Platz in der globalen Musiklandschaft erarbeitet, der kaum noch wegzudiskutieren ist. Sie haben Charts dominiert, Stadien gefüllt, Rekorde gebrochen, Popkultur geprägt und eine weltweite Fanbewegung geschaffen, die weit über klassische Musikvermarktung hinausgeht.
Trotzdem wurden BTS im westlichen Musikbetrieb lange wie ein Sonderfall behandelt. Zu groß, um ignoriert zu werden. Aber offenbar nie selbstverständlich genug, um einfach als das gesehen zu werden, was sie längst sind: einer der bedeutendsten Pop-Acts unserer Zeit. Genau deshalb trifft ihr Statement einen wunden Punkt. Wenn Musik „as music itself“ gehört und geliebt werden soll, dann ist das mehr als eine schöne Formulierung. Es ist eine Kritik an einem System, das englischsprachige Popmusik oft automatisch als universell versteht, während nicht-englischsprachige Musik schneller als regional, speziell oder erklärungsbedürftig gelesen wird.
Hier zu unserem Kommentar vom 12.06.2026 über die Entscheidung der neuen Kategorien.
Grammys: Warum „Best Asian Pop Music Performance“ Fortschritt und Rückschritt zugleich sein kann

Kommentar: Die Recording Academy führt für die Grammy Awards 2027 mehrere neue Kategorien ein. Eine davon sorgt vor allem in der K-Pop-Community für Diskussionen: Best Asian Pop Music Performance. Laut Recording Academy soll die Kategorie die künstlerische Exzellenz in asiatischer Popmusik auszeichnen, darunter K-Pop, J-Pop und C-Pop, sofern die Songs einen bedeutenden Einsatz einer oder mehrerer asiatischer Sprachen enthalten.
Auf den ersten Blick klingt das nach Anerkennung. Nach einem längst überfälligen Schritt für Künstlerinnen und Künstler, die seit Jahren globale Charts dominieren, Stadien füllen, Festivals headlinen und Popkultur weltweit prägen. Aber genau darin liegt auch das Problem: In einer Schublade festzustecken.
Denn die eigentliche Frage lautet nicht: Warum bekommen asiatische Pop-Acts endlich eine eigene Grammy-Kategorie? Die Frage lautet: Warum brauchen sie überhaupt eine eigene Kategorie, um sichtbar zu sein?
Anerkennung oder neue Schublade?
Natürlich ist es grundsätzlich positiv, wenn Musik aus asiatischen Märkten nicht länger ignoriert wird. K-Pop, J-Pop, C-Pop und andere asiatische Musikrichtungen sind längst keine Nischenphänomene mehr. Sie sind Teil der globalen Poplandschaft. Sie beeinflussen Sounds, Mode, Social Media, Fan-Kultur, Live-Produktionen und Marketingstrategien weltweit.
Eine eigene Kategorie kann Künstlerinnen und Künstlern mehr Raum geben. Sie kann Sichtbarkeit schaffen, wo vorher kaum welche war. Sie kann Acts aus Asien eine Plattform geben, die sonst möglicherweise gar nicht in Grammy-Diskussionen auftauchen würden. Aber Sichtbarkeit ist nicht automatisch Gleichstellung.
BTS für Klicks immer gut genug:
Denn wenn asiatische Künstlerinnen und Künstler gut genug sind, um globale Charts zu dominieren, für die meisten Einschaltquoten im Fernsehen oder Streams zu generieren, Millionen von Alben zu verkaufen, weltweite Tourneen zu spielen und mit den größten Namen der Branche zu konkurrieren, dann sollten sie auch gut genug sein, um in denselben Haupt- und Genre-Kategorien bewertet zu werden wie alle anderen und nicht nur in einer Kategorie zugeordnet werden.
BTS haben genau diese Debatte sichtbar gemacht

Kaum eine Gruppe steht so sehr für diese Diskussion wie BTS. Jahrelang wurden sie im westlichen Musikbetrieb belächelt, unterschätzt oder als reines Fan-Phänomen abgetan. Dann wurden sie zu einer der größten Gruppen der Welt. Sie verkauften Stadien aus, brachen Rekorde, prägten eine globale Fan-Kultur und erreichten eine Reichweite, die nur wenige Acts der Musikgeschichte vorweisen können.
Und als BTS schließlich für die Grammys nicht mehr zu ignorieren waren, wurden ausgerechnet vor allem die Songs nominiert, die am bequemsten in das westliche Pop-System passten. „Dynamite“ und „Butter“ wurden beide in der Kategorie Best Pop Duo/Group Performance nominiert; später kamen unter anderem Nominierungen für „My Universe“ mit Coldplay und „Yet To Come“ hinzu.
Das schmälert diese Songs nicht. „Dynamite“ und „Butter“ waren riesige Pop-Songs. Aber es zeigt ein Muster: Sobald BTS auf Englisch sangen, passten sie offenbar leichter in das Grammy-Verständnis von „globaler Popmusik“. Dabei besteht ihre Diskografie aus koreanischsprachigen Songs, die künstlerisch, kulturell und emotional mindestens genauso bedeutend sind. Songs, die Millionen Menschen weltweit erreicht haben, ohne sich sprachlich an den westlichen Markt anzupassen.
@kpopingermany_de POV: You finally get to sing Arirang with the 55,000 people who survived the Ticketwar with you. 📸 @JennasPhotoworlds #btsarirangworldtour #btsarirangbrussels #btsbrussels #btslive #brusselsbts
Das Video von BTS, in dem Fans aus aller Welt „Arirang“ mitsingen, unterstreicht meine Meinung noch Mal. Denn dort sieht man, was Award-Kategorien oft noch nicht abbilden: Internationale Lyrics müssen nicht übersetzt, oder anglisiert werden, um Menschen zu erreichen.
Sie werden gesungen. Sie werden gefühlt. Sie werden verstanden, auch ohne jedes Wort wörtlich zu verstehen. Genau darin liegt die Kraft von Musik! Sie funktioniert nicht nur über Sprache, sondern über Emotion, Instrumental, Gemeinschaft und Ausdruck. Und BTS haben gezeigt, dass koreanische Songs nicht trotz ihrer Sprache global werden, sondern oft gerade wegen der Identität, die in ihnen steckt.
Sprache soll kein unsichtbares Ausschlusskriterium sein
Denn genau das wäre keine echte Gleichstellung. Es wäre eine neue Form von Begrenzung des Erfolges, den K-Pop seit Jahren vorweisen kann. Das Problem ist nicht, dass es eine Kategorie für asiatische Popmusik gibt. Das Problem entsteht dann, wenn diese Kategorie zum Ersatzraum wird. Wenn ein koreanischsprachiger Song zwar als „Asian Pop“ gefeiert wird, aber nicht ernsthaft für Record of the Year, Song of the Year oder Album of the Year diskutiert wird, obwohl die Zahlen dafür da sind, dann schlägt man echt den falschen Weg ein.
Der Maßstab muss derselbe sein
Neben Best Asian Pop Music Performance kommen für die Grammy Awards 2027 unter anderem auch Best Latin Song, Best Traditional Pop Vocal Performance, Best R&B Collaboration und Best Traditional Folk Album hinzu.
Das zeigt zwar: Die Academy versucht, ihre Strukturen zu erweitern, aber gerade bei asiatischer und Latin Popmusik muss die Diskussion weitergehen. Auch bei Genres. Denn K-Pop und Latin sind nicht plötzlich relevant geworden, weil die Grammys ihnen eine Kategorie geben. Sie waren längst relevant und populär. Das gleiche gilt für andere Genres: Rock, Metal, Klassik usw. Eine Kategorie sollte deshalb ein zusätzlicher Raum sein, nicht die Obergrenze. Es darf nicht heißen: „Hier ist euer eigener Platz, bleibt bitte dort.“ Es muss heißen: „Ihr gehört dazu und zwar überall dort, wo musikalische Exzellenz verhandelt wird.“
Fazit: Sichtbarkeit reicht nicht, wenn Gleichstellung fehlt
Die neue Grammy-Kategorien können ein wichtiger Schritt sein. Sie kann Türen öffnen. Sie kann Künstlerinnen und Künstler würdigen, die lange übersehen wurden. Aber Fortschritt darf nicht damit verwechselt werden, eine neue Grenze zu ziehen. Wenn Artists groß genug sind, um die globale Musikindustrie mitzuprägen, und das tut K-Pop mehr denn je, dann sind sie die Artists auch groß genug, um in den wichtigsten Kategorien derselben Industrie mitzuwirken.
Was denkt ihr: Ist die neue Grammy-Kategorie ein wichtiger Schritt oder eher eine neue Form von Ausgrenzung?
Was denkt ihr: Ist die neue Grammy-Kategorie ein wichtiger Schritt, oder eher eine neue Form von Ausgrenzung?
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