Circa-Survive-Two-Dreams

CIRCA SURVIVE: Two Dreams Album Review

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CIRCA SURVIVE: Two Dreams Album Review
Wir vergeben Circa Survive für das Album 8,5 MEGAHERTZ, da die Band alles in einem ein harmonisches Gesamtpaket abgeliefert hat. Ich persönlich mag es, dass sie sich treu bleiben und sich nicht in musikalischer Hinsicht sich verändern.
8.5
MEGAHERTZ

Circa Survive Two Dreams

 

Two Dreams

Veröffentlichungstermin: 16.12.2022
Spielzeit: 56:22

Anthony Green – Vocals
Brendan Ekstrom – Gitarre
Colin Frangicetto – Gitarre
Nick Bear – Bass
Steve Clifford – Drums, Synths

Produziert von Will Yip
Label: Rise Records

 

CIRCA SURVIVE “Two Dreams” Tracklist

  1. Imposter Syndrome (Video bei YouTube)
  2. Drift
  3. Our Last Shot
  4. Even Better
  5. Gone For Good
  6. Sleep Well (Visualizer bei YouTube)
  7. Electric Moose (Video bei YouTube)
  8. Curitiba
  9. Late Nap
  10. Discount On Psychic Readings
  11. Die On The West Coast
  12. Buzzhenge

Circa Survive veröffentlichen neues Video zu "Flesh And Bone"

 

Die Band CIRCA SURVIVE liegt erstmal auf Eis. Das siebte Album “Two Dreams” – eine Zusammenführung der beiden zuvor veröffentlichten Digital-EPs – offenbart zum Abschied allerdings eine Menge über das Innenleben der Formation und lässt dabei das Ende einer Ära durchklingen.

Wir alle kennen die Metapher nur zu gut: Musik als Therapie; als Ventil und als kreativer Raum zur Selbstreflexion. Ein Ort und ein Begleiter, aus dem wir Kraft schöpfen können und der uns hilft, selbst die schwierigsten Zeiten zu überstehen. Doch was, wenn all dies am Ende doch nur Illusion ist? Wenn wir uns in der Musik mehr vor der Realität verstecken, als unseren Problemen ins Gesicht zu blicken?

Das jedenfalls ist die individuelle Wahrheit, mit der sich Sänger Anthony Green konfrontiert sah: ein Rückfall, eine Überdosis und das surreale Gefühl zwischen wärmender Liebe und Tod holten den CIRCA SURVIVE-Frontmann schließlich auf den Boden der Tatsachen zurück – und gaben den Anstoß für die Geschwister-EPs „A Dream About Love“ sowie „A Dream About Death“. Beide zusammengenommen formen schließlich das siebte Studioalbum „Two Dreams“, welches gleichzeitig das vorerst letzte Werk der Alternative Rock-Band ist – keine Trennung, aber eine Pause auf unbestimmte Zeit, um sich neu zu sortieren.

 

Circa Survive – laut.de – Band

 

“Two Dreams” ist ein verträumtes und in sich gekehrtes Werk

Vor diesem Hintergrund – mit dem Material möchte Green auch den Erlebnissen während seiner Nahtod-Erfahrung Ausdruck verleihen – ist „Two Dreams“ sehr wahrscheinlich das wichtigste Album der Band: eine Zäsur, die aufzeigt, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher. Das spiegelt sich in den intimen und bisweilen schonungslos offenen Texten wider, findet aber auch musikalisch neue Kanäle. Ins Zentrum rücken auf beiden Albumhälften neben Anthony Greens charakteristischem Gesang vor allem die elektronischen Elemente.

Dass „Two Dreams“ also ein eher verträumtes, in sich gekehrtes und schlussendlich ruhiges Werk geworden ist, liegt somit in der Natur der Sache. Entsprechend transparent fällt die Produktion aus: die zwölf Stücke dürfen atmen und bekommen genügend Platz, um sich zu entfalten, selbst wenn Songs wie das aufrichtige „Imposter Syndrome“ dafür teils mehrere Minuten in Anspruch nehmen. Der Auftakt funktioniert daher fast wie ein einziges ausgedehntes Crescendo, das langsam und stetig an Kraft gewinnt, ohne die filigranen Details im Hintergrund zu verschlucken.

 

 

Our Last Shot - song and lyrics by Circa Survive | Spotify

 

CIRCA SURVIVE setzen zwischen den beiden EPs zwar keine Zäsur, am besten denkt man aber dennoch in getrennten Hälften

Diese feinfühlige Herangehensweise zieht sich durch das komplette Werk, egal ob CIRCA SURVIVE in „Gone For Good“ und „Our Last Shot“ entspannt und entrückt vor sich hin musizieren, in „Drift“ bzw. „Buzzhenge“ dezente Shoegaze-Anleihen einstreuen oder in „Sleep Well“ den beruhigenden Gesangslinien mit digitale Percussions ein rastloses Element entgegenstellen. Selbst wenn die Synth-Teppiche in „Late Nap“ mal lauter werden oder in „Electric Moose“ streckenweise gar das zentrale Rückgrat bilden, bleibt „Two Dreams“ in seiner Gesamtheit also eine vergleichsweise zurückgenommene Angelegenheit.

Was im EP-Format durchaus stimmig war, lässt auf Albumlänge bei einer Laufzeit von mehr als 55 Minuten allerdings die Spannungskurve ein wenig auf der Strecke. Treue Anhänger müssen sich folglich nicht nur auf eine neue Seite der Band einstellen, sondern am besten trotz Albumformat weiterhin in zwei Hälften denken: zwei Träume, zwei Kapitel – selbst wenn CIRCA SURVIVE es versäumt haben, die beiden Akte durch ein kleines Interlude oder eine anderweitige Zäsur voneinander abzugrenzen.

 

 

“Two Dreams” kündet womöglich vom Ende einer Ära

Dass „Two Dreams“ derweil zwar keinen Abgesang darstellt, aber einen Abschied auf Zeit einläutet, stimmt durchaus nachdenklich. Wenn das musikalische Schaffen für Sänger Anthony Green tatsächlich mehr Ablenkung als Therapie war und diese vorliegende und schonungslos offene Auseinandersetzung mit den eigenen Dämonen nun musikalisch in eine andere, elektronischere Richtung führt,

was bedeutet das für die Zukunft der Band?

Die Antwort können uns CIRCA SURVIVE natürlich derzeit noch nicht geben, obgleich der melancholische Grundtenor von „Two Dreams“ durchaus vom Ende einer Ära künden könnte. Vielleicht wird nach der Bandpause alles anders; vielleicht bleiben sich die US-Amerikaner ja doch treu. Sicher scheint nur, dass sogar die Musik selbst für Anthony Green nach dieser schicksalsschweren Erfahrung einen völlig neuen Stellenwert erhalten hat.

 

Mehr Infos:

Homepage: https://circasurvive.com/
Facebook: https://www.facebook.com/CircaSurvive/